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Ausstellung Wort und Bild.jpg

Zwei Jahre - 24 Monate - 24 Werke
mit Bildern von Antonia Kiser und Texten von Ursi van Muyden

In jedem Monat wurde ein Bild oder ein Text kreiert.
Zum Test entstand ein neues Bild, zum Bild entstand ein neuer Text.
Daraus ergaben sich 24 Gemeinschaftswerke, die zusammen (Un-)Sinn ergeben.

Diese Seite entstand zuerst

Texte sind urheberrechtlich geschützt

S Zebra

 

Es Zebera im Pischama

wott äifach nid is Bettli ga

es schüttled heftig sini Määnä

debiä muäs es ganz zümftig gäänä

und d Augä ghiied em fascht zuä

und d Zebramuätter wett doch Ruä

doch isch nüd z machä, s Chind das bockt

und proteschtiärd am Bodä hockt:

«Mis Pischäma, diä schwarzä Schtrich

diä biissed und diä chratzed mich

und überhaupt bin ich ä Fee

ich will käi schwarzi Schträiffä mee.»

 

Ganz schlau wiä Mamis mängisch sind

chaufd d Zebramuäter irem Chind

es Pijama in Gold und Glimmer

und dekorärd nu s Chinderzimmer

mid tuusig Schäfli, Stück für Stück

das chlinä Zebra voller Glück

fad afa alli Schäfli zellä

owohl es das ja nid hed wellä

so falled im doch d Augä zuä

und endlich hed das Mami Ruä

Zebra gross und klein.jpg

Fr. 390.00

40 x 40 cm

verkauft

Anssichtsache

Ihr Mann hatte die ärgerliche Angewohnheit, am Abend seine schmutzigen Socken nicht in den Wäschekorb zu schmeissen, sondern irgendwo im Schlafzimmer liegen zu lassen, meist waren sie neben dem Wäschekorb am Boden oder auf einem Stuhl. Wenn sie dann als gute Hausfrau am nächsten Morgen die Wohnung sauber machte, war es an ihr, sich zu bücken und die Socken an ihren rechtmässigen Platz zu befördern. Mehrfach hat sie ihren Göttergatten darauf aufmerksam gemacht, die Socken doch gleich in den Wäschekorb zu werfen. Er hat es ihr immer wieder aufs Neue versprochen, aber aus irgendeinem Grund lagen die Socken weiterhin am Boden.

 

Daraufhin hat sie sich folgende Gedanken gemacht:

 

«Mein Mann hat keine bösartigen Charakterzüge, ich weiss, dass er mich liebt, er will mich nicht bewusst ärgern. Aber aus irgendeinem Grund kann er diese Regel einfach nicht befolgen. Vermutlich hat er einfach zu viel im Kopf.»

 

Nun also, da ihr Mann ganz offensichtlich diese Angewohnheit nicht ändern konnte, musste sie halt ihre Einstellung dazu ändern.

 

Von diesem Tag an war sie überzeugt, dass die Socken am Boden seine Art waren, ihr zu sagen, wie sehr er sie liebte und ihre Arbeit im Haushalt schätzte.

Von diesem Tag an zauberte es ihr ein Lächeln ins Gesicht und eine wohlige Wärme erfüllte ihr Herz, wenn sie sich bückte, um seine schmutzigen Socken aufzuheben und in den Wäschekorb zu werfen.

 

 «Wie leicht ist es doch, sich zu ärgern, aber wie leicht ist es auch, es nicht zu tun.»

Gelassenheit.jpg

40 x 40 cm

Fr. 350.00

Schlittenhund.JPG

verkauft

Schlittenhund

Es war einmal ein Schlittenhund

mit edlem Namen Sigismund

er rannte schneller als der Blitz

viel schneller als sein Kumpel Fritz

Dem Sigismund dem lag`s im Blut

dem Fritzchen jedoch tat`s nicht gut

weil sie gemeinsam vor dem Schlitten

sich täglich übers Tempo stritten

der Fritz trainierte Tag und Nacht

doch hat dies kaum etwas gebracht

auch Coaching oder Mentorat

gab kein gewünschtes Resultat

so war es nicht mehr abzuwenden

das Teamwork schliesslich zu beenden.

 

Der Husky rennt nun wie der Blitz

und was macht heut der liebe Fritz?

Er macht gemächlich seinen Wackel

denn unser Fritzchen ist ein Dackel.

Fr. 420.00

Die Kräuterhexe

Im tiefen, finsteren Wald, da, wo die grummeligen Wurzelkerle wohnen und mit ihren schwarzen Äxten und Sägen die dunklen Stämme fällen, ihre russigen Holzpfeifen rauchen und dabei düstere Lieder brummen, da lebt Ida, die kleine Kräuterhexe. Ihre Kleider sind so farbenfroh wie die Federn eines Kanarienvogels, in ihrem bunten Kräutergarten wachsen alle Kräuter der Welt, und ihr kleines Häuschen leuchtet gelb und pink wie der Himmel im Abendrot.

Jede Woche bringt Ida ihre Kräuter ins Dorf zum Markt. Die Leute im Dorf erwarten sie und bald bildet sich eine lange Reihe vor ihrem Marktstand.

Ida hat ein Kraut für Alberts Husten und eins für Annas Bauchkrämpfe, eines für Omas Gicht und eins für Babys Blähungen. Alle kommen zu ihr, und sie kann allen helfen.

Am beliebtesten sind Idas Nesseln, ein wahres Wunderkraut gegen viele Beschwerden. Ida macht daraus Tee und verteilt ihn grosszügig.

So freuen sich die Leute, wenn Ida ins Dorf kommt, doch niemals würde es irgendjemand wagen, zu ihr in den Wald zu gehen, denn alle haben Angst vor den grummeligen Kerlen.

Eines Tages hört der König von dem kleinen Dorf und Idas Wundergarten. Sofort ruft er seine tapfersten Soldaten zusammen und befielt ihnen: «Reitet sofort in den Wald und holt mir die Kräuterhexe. Reisst alle Kräuter aus und bringt sie in mein Schloss. Sie soll mir einen Garten im Schlosspark anlegen. Ich will diese Kräuter besitzen und über Gesundheit und Krankheit entscheiden.»

Sofort machen sich die Soldaten auf den Weg. Als der Wald immer dunkler wird, hören sie plötzlich ein dumpfes Schlagen und Sägen. Die Soldaten beginnen sich zu fürchten. Trotzdem reiten sie mutig weiter und erspähen schliesslich an der finsterster Stelle des Waldes einen leuchtenden, bunten Garten. Als sie sich jedoch dem Garten nähern, erheben sich aus den Baumwurzeln grummelige Gestalten und brummen eine düstere Melodie. Verängstigt wollen die Soldaten umdrehen, aber der Anführer ruft: «Los, reisst die Kräuter aus, der König hat es befohlen!»

Die Soldaten stürmen in den Garten. Doch in diesem Moment beginnen die Nesseln zu wachsen und überwuchern alle anderen Kräuter. Die Soldaten versuchen, nach den Kräutern zu greifen. Da umringen die Wurzelkerle den Garten und befehlen: «Brennt! Nesseln brennt!»

Alsbald wachsen auf den Blättern der Nesseln kleine Härchen, die einen brennenden Saft absondern. Die Hände der Soldaten beginnen zu jucken und zu brennen und es bilden sich rote Pusteln.

Schreiend fliehen die Soldaten in alle Himmelsrichtungen. Von diesem Tag an hat es nie wieder jemand gewagt, Idas Kräutergarten zu betreten.

Ida bringt wieder jede Woche ihre Kräuter ins Dorf. Bei den Nesseln jedoch muss man vorsichtig sein und sollte sie nur von unten anfassen.

Von nun an heissen sie Brennnesseln.

Summerziit

Wenn de Gartä trochä isch,

d Wäschpi närved uf em Tisch,

wenn mä s Biär i Schattä schtelld,

d Muggäschtich am Körper zelld,

 

Wenn mä es Bikini chauft,

d Glace i de Hand verlauft,

s Tiischört tropfä tuäd vom sSchwitzä,

cha am Abä dussä sitzä.

 

Wenn de Sunnäbrand chli brennd,

äim de Schtrandbarkeeper kennd,

isch es endlich etz so wiit:

lang ersehnti Smmerziit!

Sommer.JPG

Fr. 390.00

Spatzen

Die Frühlingssonne legt eine wohlige Wärme über meine Schultern. Was für eine Wonne, wenn ich mich nach der kalten Jahreszeit zum ersten Mal wieder in ein Gartenrestaurant setzen und mir einen Aperol Spritz zu Gemüte führen kann. Die zufriedenen Gesichter der anderen Gäste zeigen mir, dass es ihnen genau so geht.

Auf der Mauer vor dem Restaurant sitzen Spatzen, die erwartungsvoll auf die Gäste herab blicken, allzeit bereit herzuflattern, sollten Chips auf den Boden fallen. Oder sofort den Tisch zu reinigen, sobald die Gäste aufstehen und das Lokal verlassen, schnell noch, bevor der Kellner kommt und sie wegscheucht.

Ich habe vollstes Verständnis für händeklatschendes Servicepersonal und armwedelnde Gäste. Wer will schon verschissene Tischtücher und verunreinigte Sitzkissen? Trotzdem liebe ich die kleinen, frechen Viecher über alles. Das Vergnügen, das es mir bereitet, zuzusehen, wie sie geschickt auf dem Tisch landen, ein Krümelchen aufpicken und wegfliegen, bevor der Gast reagieren kann, ist einfach göttlich. Kürzlich ist es einem sogar gelungen, den ganzen Zipfel des Gipfelis von meinem Teller zu schnappen und damit loszufliegen.

 

Heute habe ich zu meinem Aperol Spritz Salznüsschen bekommen. Eher ungünstig, erstens kann ich sie nicht ausstehen, und zweitens sind sie für kleine Vögel schwer zu knacken.

Verstohlen schaue ich mich um. Kein Kellner ist in Sicht, die anderen Gäste beachten mich nicht, ich kann es wagen. Ich nehme ein Nüsschen in den Mund, zerbeisse es, spucke es in meine Hand und werfe es mit einem erneuten Blick in die Runde, um sicher zu gehen nicht beobachtet zu werden, unter den Tisch.

Als hätten sie es vorausgesehen, flattern mindestens zehn

 

Spatzen gleichzeitig zwitschernd unter meinen Tisch. Das Versteckspiel ist aus, die Tarnung ist aufgeflogen, ich bin in den Fokus der Gäste gerückt. Ich tue so, als hätte ich keine Ahnung, was da los ist, und winke scheinheilig einen Kellner herbei, um mir einen zweiten Aperol Spritz zu bestellen.

Freundlicherweise wird mir nun dazu eine Schale mit Chips serviert. Chips lassen sich unauffällig in der Hand zerbröseln und fliegen dann ganz zufällig, indem ich scheinheilig meine Hände an der Hose abwische, unter den Nachbartisch. Mit dem triumphierenden Gefühl einer Kriminellen, der gerade der ganz grosse Clou gelungen ist, beobachte ich vergnügt das Eldorado.

Als ich mich jedoch wieder meinem eigenen Tisch zuwende, entdecke ich, dass sich zwei besonders mutige Vögelchen direkt an meiner Chips-Schale bedienen. In meinem Nacken spüre ich förmlich die erwartungsvollen Blicke der anderen Gäste. Gespielt empört, aber sehr langsam, mache ich eine wegweisende Handbewegung in Richtung der Chips-Schale. Die Zuschauer sind zufrieden. Ich vertiefe mich daraufhin in mein Handy und merke fast überhaupt nicht, wie meine kleinen Freunde, von meiner lahmen Handbewegung unbeeindruckt, zurückkommen und sich bedienen.

Was für ein Vergnügen.

 

Mir ist bewusst, dass Salznüssli und Paprika Chips nun wirklich keine gesunde Nahrung für Vögel sind, aber wer bin ich denn, ihnen vorzuschreiben, was sie essen dürfen und was nicht? In der freien Natur essen sie auch, was gerade herumliegt und mal ehrlich, dürfen sie das nicht selber entscheiden?

 

Auf jeden Fall bin ich dankbar, dass kein Spatz an meinen Tisch kommt, um mir den inzwischen dritten Aperol Spritz zu verbietet. Denn, dass er mir ebenfalls nicht gut tut, das kann ich bereits spüren. Geniessen tu ich ihn trotzdem.

Fr. 290.00

40 x 40 cm

verkauft

Papagäi

 

Herr Papagäi

dä wott nid häi

will sini Frau diä läid es Äi

und immer wenn dä Tag isch cho

de isch si gätzig wiänä Floh

drum gönnd är sich, wer chas verdänkä

nu äis, zwäi Korn i «Ara`s Schänkä»

doch hed är nach vorgrücktä Schtundä

de Häiwäg au nid liächter gfundä

will d Papagäiin hockt dehäi

bestimmt scho längschtens ufem Äi

und närvd sich me, mid jeder Schtund

das irä Alt nid retour chund

so hed mä ins bim Schnapslä gsee

20 Täg und eppä nuchli mee

bis är gnuäg Muät aatrunkä gha

um häi zu siner Gattin z ga

beräit fürs grossä Donnergwitter

luägt är beschämt durs Chefigitter

doch blased dett käi chaltä Wind

es chlises Papagäiächind

höckled dehäimä i sim Huus

streckt sini Flügel nach im uus

und d Frau vor Glück nimmd ihn i Arm

und iri Schtimm isch liäb und warm

« wiä schön bisch da, ich ha di gärn

bliib bitte niäme so lang färn»

Herr Papagäi verschpricht das gschwind

blibt immer jetz bi Frau und Chind.

60 x 60 cm

Fr. 460.00

Spiegelbild im See

 

Es spiegelt sich die Welt so klar,

so schön, so stark, so wunderbar.

Du fühlst dich leicht und fühlst dich froh-

und denkst, es bleibt für immer so.

 

Doch trügt der Schein, ein kleiner Wind

verzerrt das Bild und zeigt geschwind,

dass Schönes sich in Falten legt,

wenn Wind und Sturm darüber fegt.

 

Der stärkste Sturm stirbt irgendwann,

drum gib nie auf und bleibe dran,

ein Wunder kann auch dir geschehn,

ich weiss es, denn ich hab’s  gesehn.

verkauft

Erwachen

Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln zärtlich dein Gesicht,

wach auf und fühl,

die Luft noch schwül,

das erste Morgenlicht.

 

Der Atem und die Morgenluft tun deiner Seele gut,

sei dir bewusst,

dass Lebenslust

in deinem Herzen ruht.

 

Du bist vom Leben reich beschenkt, dein Herz ist stark und leicht,

du spürst kein Leid,

Gelassenheit,

hast schon so viel erreicht.

 

Und deine Liebsten stärken dich, sind deinem Herzen nah,

sie lassen Raum

für deinen Traum

und sind doch immer da.

 

Sei dir bewusst, was wirklich zählt, kein Luxus und kein Geld,

ist Dankbarkeit,

Zufriedenheit –

das Grösste auf der Welt.

Fr. 420.00

Das Märchen vom Blumenengel

Es war eine dunkle Zeit. Die Welt war erfüllt von Krieg und Hass, Geld und Macht regierten das Leben, und die Menschen machten einander das Dasein schwer. Da beschloss der Engel Florus, den Menschen die Blumen zu nehmen, sie hatten ihre Schönheit, ihre Zartheit und ihren Duft nicht mehr verdient. In einer einzigen Nacht sammelte er alle Blumen ein und hinterliess nichts als kahle, braune Erde.                                                                 

Den Bienen fiel es als Erste auf. Verwirrt surrten sie umher und suchten verzweifelt nach etwas zum Bestäuben. Doch da es keine Blüten mehr gab, wandten sie sich hilflos den Menschen zu, was ein heilloses Durcheinander verursachte. Plötzlich trug die Bauerntochter das Kind des Dorfpolizisten unter dem Herzen, und die Gemeinderätin erwartete eines vom Pfarrer. Selbst die betagte Jungfer Dorothee wurde schwanger – von wem, wusste sie nicht genau, doch sie hatte ihren verschmitzten Nachbarn Max im Verdacht. Der Engel Florus sass unterdessen auf seiner Wolke und kratzte sich grübelnd am Kopf.                               

Die Männer, die ihren Frauen hin und wieder Blumen mitbrachten, meist als Entschuldigung für einen zu langen Abend im Wirtshaus, standen ratlos da. Notgedrungen kauften sie Pralinen statt Rosen, was zur Folge hatte, dass die Frauen bald pummelig wurden und sich über Karies beklagten. Der Engel Florus seufzte tief.                                                                                         

Auch die Maler litten unter dem Verlust. Stundenlang sassen sie mit ihren Staffeleien in der nun tristen Natur, doch statt farbenfroher Blumenbilder entstanden nur noch langweilige, braune Gemälde. Schon bald war braune Farbe in keinem Geschäft mehr zu bekommen, und in den Museen hingen nur noch trostlose Bilder. Der Engel Florus raufte sich verzweifelt die Haare.

90 x 90 cm

Fr. 840.00

Die Rache des Grünzeugs

 

Tief unten, in der Erde des Finsterwaldes, zwischen den Wurzelarmen vom kerligen Knorrenbaum, wurmelt sich eines schmierigen Nebeltages ein aalig windiger Samenkeimling durch die moderige Borkenerde hindurch. Ranklistig greifen seine zarten Lebensfäden nach dem feuchten Nährfinst und treiben den Grünspross Richtung Lichtquell. Mit einem nachtleisen Seufzer bricht die Erde auf, als sich der erste Triebling aus der Schwärze schält, als trüge er längst die Schuld einer verlorenen Zukunft in sich.

Während die fahle Sonne über den Horizont kriecht, erbleicht der Himmel in grauer Vorahnung. Aus den Ästen erklingen Töne, schrill und schief, wie Warnrufe aus gefiedertem Wahnsinn.

Jungfräuliche Zuckerblüten, die eben noch ihre zartrosa Minne in die Frühlingsluft gehängt hatten, verstillen zu flehendem Geflüster.

Ein stockmutiger Brombeerstecher nähert sich misstrauisch dem neugeborenen Keim. Seine tastenden Fühlarme berühren neugierig das zarte Grün. Wie von Geisterhand beseelt, erwachen alsbald schimmerfahle Gewächse aus dem zierlichen Spross, flustrige und hauchzerfaserte Blattgebilde, und breiten sich in seelenflüchtiger Hast über den dunkelfeuchten Boden. Jeder Baum und jeder Strauch, jede Blume und jedes Kraut wirkt wie fremdverschworen, vernebelt von wurzelschwärmerischer Trance, und neigt sich dem kriechflorigen Etwas entgegen, das in flutender Gier alles durchdringt. Bald schon quillt ein wuchermeeriges Grünzeug aus allen Richtungen heran und legt sich wie ein teufelrankender Teppich über die Erde, der alles Lebendige unter sich erstickt und in geheimnistrübem Schweigen begräbt.

S Meerschwäin

 

Es Meerschwäin namens Lorely

isch schtolz, es richtigs Meerschwäin z sii,

mid «Meer» im Namä, das tuäd schtimmä,

chan ich bestimmt wiä Delfin schwimmä,

cha tauchä tiäfer als de Wal

und plantschä wiänä Zitteraal.

Das Meer isch mi Beschtimmigsort,

drum gan ich vo dehäimä fort

und zäigä minä Artgenossä:

Zum Schwimmä bruicht mä käini Flossä,

Es winkt «tschau tschau» id Fründesrundä

und gilted sithär als verschwundä.

verkauft

60 x 60 cm

Fr. 440.00

Fr. 440.00

Ananas

 

Seit Menschengedenken wachsen in Madagaskar die grössten und süssesten Ananas der Welt. Die Plantagenbesitzer wetteiferten um den Preis der köstlichsten Frucht. Sie hegten und pflegten ihre Pflanzen, tränkten sie mit Wein und Zuckerwasser und manch einer sang ihnen schon mal abends ein Gutenachtlied vor. Könige und Kaiser der Welt verzehrten sich nach der süssen Lust und schickten ihre Diener auf die Insel, um die grössten und besten Exemplare zu ergattern.

In diesem Jahr jedoch blieb die Ernte dürftig. Die Früchte waren klein und hart, sie wollen einfach nicht richtig wachsen, trotz Liebe, Sonne und Crescendo.

Tief im Verborgenen auf Bauer Rivos Farm, zwischen dem Ziegenstall und dem Katzenklo, da wuchs ganz einsam eine Ananas. Sie wuchs grösser als alle anderen Ananas der Insel. Als Bauer Rivos Frau sie entdeckte, war sie sprachlos. Es schien, als hätte sie alle Kraft der ganzen Insel in sich aufgenommen. Sie war die grösste, süsseste und saftigste Frucht, die je auf der ganzen Welt gewachsen war.

Der Zufall wollte es, dass genau in diesem Moment ein Tourist über den Gartenzaun spähte und das Wunderstück entdeckte. Sofort postete er ein Bild auf Socialmedia. Und so kam es, dass das Bild augenblicklich auf Sergei Roldugis Facebook Seite landete, der gerade nichts anderes zu tun hatte, als im Internet herumzugeistern. Dieser rannte, nein, stolperte förmlich in Putins Schlafgemach, welcher gerade dabei war, in seine blau- weiss gestreifte Pyjamahose zu schlüpfen.

Das Bild der atemberaubenden Schönheit überwältigte den russischen Präsidenten, und wie es halt in seiner Natur war, so wollte er sie besitzen. Die Frucht, oder die Plantage, oder besser noch, das ganze Land.

Sofort schickte er seine Soldaten los, Madagaskar zu erobern.

Als die russischen Soldaten auf Madagaskar eintrafen, liess König Julien sie zu sich rufen.

«Was wollt ihr hier?», fragte er die Soldaten.

«Putin will Madagaskar haben,» entgegneten die Soldaten.

«Warum?», fragte König Julien.

«Wegen der Ananas,» entgegneten die Soldaten.

Darauf schickte König Julien seine Lemuren los, die Ananas zu holen.

Er liess sie aufschneiden und verteilte sie unter den Soldaten, dem Hofstaat und all seinen Lemuren. Noch nie in ihrem Leben hatten die russischen Soldaten so etwas wunderbares gegessen.

Der König liess Wein ausschenken und Musik spielen, und sie feierten bis in die Morgenstunden.

«Nun», sagte König Julien zu den russischen Soldaten: «Da die Ananas nun gegessen ist, gibt es auch keinen Grund mehr, unser Land zu erobern.»

Das sahen die Soldaten ein. Trotzdem hatten sie noch eine Bitte.

«Dürfen wir nicht hierbleiben?», fragten sie. «Feiern und tanzen macht so viel mehr Spass als kriegen und sterben.»

Das wiederum sah König Julien ein und hiess sie herzlich willkommen. Sie bekamen die verantwortungsvolle Aufgabe dafür zu sorgen, dass immer irgendwo auf der Insel ein Ananas-Fest gefeiert wurde.

Putin hingegen sass im kalten Russland ohne Ananas, ohne Soldaten und ohne Krieg.

Seit diesem Tag an ist die Ananas das Zeichen für Frieden

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verkauft

Heimat

 

Ich reiste weit, durch Land und Zeit,

auf jeden Kontinent,

sah Welten voller Herrlichkeit

und lebte den Moment.

 

War oben auf dem Eiffelturm,

beim Nordlicht, tief im Schnee,

im Segelboot bei Wind und Sturm

allein auf hoher See.

 

Ich war im heissen Wüstensand

und auch im Taj Mahal,

sah tausendmal in einem Land

den ersten Sonnenstrahl.

 

Trotz all der Schönheit, nirgendwo

empfinde ich das Glück,

wenn ich vom Reisen, müd und froh,

nach Hause kehr zurück.

 

Geliebtes Bergdorf, schlicht und klein,

erfüllt mit Freud und Sinn,

wo Herz und Seele sind daheim

und ich willkommen bin.

Zoo

 

Am Sunntig nach de Früämäss ide Bäiz, da hockid viär

pensioniärti Buirä bimnä Chorn und bimnä Biär.

Nach de drittä Fläschä, es isch immer scho so gsi,

churz bevor si ubergand zum Schnaps oder zum Wii,

hends di guätä Ifäll, gar diä zündendi Idee,

was das Dorf nu bruicht und was es gar nu niä hed gsee.

Därmal ischs am Sepp si Chuä so äinsam und nid froh

d Lösig stad sofort im Ruim: «jetz gründi mer ä Zoo.»

S ganzä Dorf isch involviärd und jedä isch parad,

bringd, was grad derhäimä nu so nutzlos umäschtad:

 

Es bringd de

Rolf si Wolf

und de Paul si Gaul,

de Hans sini Gans

und de Roy si Loi.

De Kay bringd de Hai

und de George si Dorsch.

S Liseli bring s Wiseli,

d Adele iri Makrele

d Klara irä Ara,

d Lotte iri Motte,

d Nala bringd s Impala

und d Wanda irä Panda,

d Leonie bringd s Federvieh,

de Marius si Rothalsstruss,

de Theophil sis Krokodil,

de Leodegar sis Dromedar,

de Pascal bringd de Zitteraal,

de Eberhard si Leopard,

de Domingo si Flamingo,

de Theodor si Labrador,

de Jonathan si Kormoran,

und d Gudrun ires Perlhuhn.

 

So isch im chlinä Dörfli duä de gröschti Zoo entstandä,

d Lüüt, wo sind go luägä cho, diä hends sofort verstandä,

de Urschprung für nä Grosserfolg, das hed mä hiä ja gsee,

isch gar nid sältä, wiä mä wäiss, ä simpli Schnapsidee.

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Hans Optimist

 

Hans Optimist, der könnte klagen,

nach Total-Crash mit seinem Wagen.

Stattdessen jubelt er vor Glück:

«Das Steuerrad ist noch am Stück!»

 

Seit Stunden steht der Hans im Stau,

vergnügt sagt er zu seiner Frau:

«Denke dir jetzt, wenn wir nicht fahren,

wie viel teures Benzin wir sparen.»

 

Gefahr vom Christbaum nicht erkannt,

sein Haus ist total abgebrannt,

er lacht: «Das Haus war so verschmutzt,

zum Glück hab`ich noch nicht geputzt.»

 

Und seine Frau ist im Vertrauen

mit seinem Kumpel abgehauen.

«Macht nichts», denkt er, «viel Glück mein Schatz,

ich hab` im Bett jetzt viel mehr Platz.»

 

Beim Bergsturz fallen schwere Steine,

der Hans verliert gleich beide Beine.

«Jetzt muss ich», meint er ganz bescheiden,

«nie wieder Zehennägel schneiden.»

 

Nach seinem Tod, welch Schweinerei,

der Himmel hat kein Plätzchen frei,

worauf Hans dann, nicht irritiert,

im Höllenfeuer Steaks grilliert.

Fr. 520.00

90 x 90 cm

De_Schneemaa.jpg

Fr. 390.00

Wahrsager

 

Ein Wahrsager ist ein Wahrsager, weil er wahr sagt, so sagt man. Würde er nicht wahr sagen, wäre er ein Nichtwahrsager. Wenn jetzt der Wahrsager wahr sagt, muss man warten, bis das, was er wahr gesagt hat, wahr wird, erst dann weiss man, dass der Wahrsager ein Wahrsager ist und nicht ein Nichtwahrsager.

Wenn man aber warten muss, bis die Wahrheit wahr wird oder eben nicht wahr wird, und erst dann weiss, ob es ein Wahrsager oder ein Nichtwahrsager war, der die Wahrheit oder Nichtwahrheit gesagt hat, war es völlig überflüssig, zu einem Wahrsager zu gehen, denn, wenn man einfach gewartet hätte, hätte man selber gesehen, was wahr oder nicht wahr wird.

Wie wahr!

verkauft

60 x 60 cm

Fr. 440.00

Die kleine Schnecke

 

Auf einer kleinen Insel, mitten im Atlantischen Ozean, lebte einst eine unternehmungslustige Schnecke. Sie kroch täglich in ihrem Wald herum und fragte allen Lebewesen, die sie antraf, Löcher in den Bauch. Die meisten Tiere verkrochen sich daher schnell in ihren Bau, wenn sie sie herankriechen sahen.

Eines schönen Morgens setzte sich eine Möwe in die Baumkrone über dem Schneckenhaus.

«Woher kommst du?», fragte die Schnecke neugierig. «Aus Italien», antwortete die Möwe.

«Wie sieht es dort aus?», wollte die Schnecke wissen. «Wunderschön», sagte die Möwe wortkarg, denn sie war keine besondere Plaudertasche. «Was tut man dort?», bohrte die Schnecke weiter. «Italienisch sprechen und Pizza essen.» «Was ist Pizza?», die Schnecke liess nicht locker.

«Das Wunderbarste, das man je in seinem Leben essen kann.» Die Möwe spreizte ihre Flügel und hob ab. Sie hatte genug von diesem Gespräch.

Die Schnecke jedoch begann zu träumen: Wunderschönes Italien, wo man Italienisch spricht und Pizza isst, das wollte sie erleben.

«Ich gehe nach Italien», verkündete sie noch am selben Abend ihrer Freundin, der klugen Eule. «Kannst du mir sagen, wie ich dahin komme?»

«Das ist schwierig», erklärte die Eule, «da müsstest du über das grosse Meer.»

«Kein Problem», meinte die Schnecke, «mein Schneckenhaus schwimmt. Wo finde ich das grosse Meer?»

 

«Wenn du bis an den Waldrand kriechst und zu ganz viel Wasser kommst, sehr viel Wasser, so dass du das andere Ufer nicht sehen kannst, dann bist du am Meer.» «Danke!», ruft die kleine Schnecke aus und machte sich auf den Weg.

Unterwegs traf sie auf den Fuchs. «Wohin gehst du?», fragte der Fuchs.

«Nach Italien, Pizza essen», erwiderte die Schnecke stolz. Der Fuchs jedoch begann zu lachen. «Das schaffst du niemals, dafür bist du viel zu langsam, du kleine Schnecke. Ha, ha, ha, ha!», und er hielt sich den Bauch vor Lachen und ging zurück in seinen Bau.

Die Schnecke war beleidigt. «Natürlich schaffe ich das», dachte sie trotzig, «du wirst schon sehen.» Und sie legte eine extra grosse, sabberige Schleimspur direkt vor den Fuchsbau.

 

Zur selben Zeit beschloss ein Pizzaiolo in Italien, nach Amerika auszuwandern und dort eine Pizzeria zu eröffnen. Niemand in seiner Heimatstadt Napoli wollte ihn gerne gehen lassen, denn er war ein sehr guter Pizzaiolo, aber sein Entschluss stand fest. Er packte alles, was er für eine Pizzeria brauchte, in eine grosse Holzkiste und bestieg damit zusammen mit vielen anderen auswanderungsfreudigen Italienern das Schiff nach Amerika.

 

Auf der kleinen Insel kam kurze Zeit später der Bär am Fuchsbau vorbei. Er hatte im Sinn, seinen Fuchsfreund aufzuwecken, um etwas mit ihm zu spielen. Vor dem Fuchsbau rutschte er jedoch so unglücklich auf der sabberigen Schleimspur aus, dass er den Abhang hinunterkullerte und mit dem Kopf unsanft am Stamm einer Kokospalme aufschlug. «Aua!», rief er aus und massierte seine Beule.

 

Auf dem Baum hatte ein kleiner Affe gerade eine Kokosnuss gepflückt, die ihm durch den Aufprall aus der Hand rutschte. Nicht willig, seine Beute einfach so fallen zu lassen, hechtete er hinter ihr her. Dabei übersah er, dass sich die Krone der Palme weit über einen Felsvorsprung beugte, der direkt zum Meer hinabfiel. Der Affe und die Kokosnuss landeten im Wasser, genau im Fischernetz vom Fischer Anton. «Hör auf zu zappeln!», fauchte der Fischer, «du verknotest mir das ganze Netz.» Aber der Affe zappelte um sein Leben, um nicht zu ertrinken, und verfing sich immer mehr in den Maschen. Anton hatte alle Mühe, ihn daraus zu befreien. Die ganze Aktion dauerte eine geraume Weile, währenddessen Antons Fischerboot unkontrolliert auf das Meer hinaustrieb.

Im letzten Augenblick riss der Kapitän eines grossen Schiffes, das von Italien nach Amerika unterwegs war, das Ruder herum, um nicht mit dem kleinen Fischerboot zu kollidieren. Durch diese Aktion geriet das Schiff in Seitenlage und kenterte. Alles fiel über Bord: Passagiere, Mannschaft und die ganze Ladung des Schiffes.

Italiener können zwar schwimmen, aber die Strecke bis zu der kleinen Insel, die sie in der Ferne sahen, war auch dem kräftigsten Schwimmer zu weit.

Nun hatte der Pizzaiolo in seiner Holzkiste aber so viel luftigen Pizzateig geladen, dass die Kiste genügend Auftrieb hatte, um zu schwimmen. Bald hatten sich alle glücklich auf die Kiste gerettet und trieben nun schaukelnd der kleinen Insel zu. Dankbar für die Rettung begannen sie zu singen und zu tanzen, sobald sie wieder festen Boden unter den Füssen hatten. Der Pizzaiolo packte seine Kiste aus. Die Pizzeria wurde aufgebaut, Pizza wurde gebacken, Wein floss in Strömen und sie feierten das grösste Freudenfest ihrer glücklichen Rettung.

 

Zur selben Zeit erreichte die kleine Schnecke den Waldrand und stand vor einer Pfütze. Ob das das Meer war? Sie reckte ihre Fühler, soweit sie konnte, sie war jedoch zu klein, um auf die andere Seite zu spähen. «Dann muss es das Meer sein», dachte sie, «ich sehe das andere Ufer nicht.» Sie zog sich in ihr Schneckenhaus zurück, verklebte den Eingang mit Schleim und liess sich ins Wasser rollen. Kurz darauf hatte sie der Wind auch schon auf die andere Seite getrieben. Verwundert kroch sie aus ihrem Schneckenhaus. «Na, das war ja einfach», sagte sie zu sich selbst, «bin ich in Italien?» Von Weitem hörte sie Singen und Jauchzen in einer Sprache, die sie nicht verstand. Ob das Italienisch war? Sie kroch weiter, den Tönen entgegen, und wurde von einem köstlichen Duft umgeben. «Pizza!», flüsterte sie andächtig und kroch, so schnell sie konnte. Bald hatte sie die Gruppe fröhlich feiernder Menschen erreicht.

«Seid ihr Italiener?», fragte sie aufgeregt.

«Si, si», nickten die Italiener.

«Und ist das Italienisch?», sie deutete auf einige wild gestikulierende und diskutierende Leute.

«Si, si», kam die Antwort.

«Und ist das Pizza?», jubelte sie.

«Si, si», der Mann vor ihr legte ein grosses Stück Proschiutto è Funghi auf den Boden.

Die kleine Schnecke war im siebten Himmel. Noch nie hatte sie etwas Köstlicheres gegessen, noch nie in ihrem Leben war sie so glücklich gewesen.

«Ich hab’s gewusst», dachte sie selig, «man kann alles erreichen, wenn man nur fest genug daran glaubt.»

je 30 x 30 cm

Fr. 420.00

Der Mond

Eigentlich ist der Mond rund, das weiss jedes Kind, runder als der Mond kann man gar nicht sein. Die Erdenbewohner nennen ihn Vollmond. Sie bewundern ihn für sein Auftreten, verfallen in romantische Glückseligkeit, schreiben Gedichte und malen Kunstwerke. So war es zumindest seit Anfang der Zeit. Doch etwas Schreckliches ist geschehen, am Himmel wurde gestohlen.

Mitten in der Nacht wird Inspektor Jupiter aus dem Schlaf geklingelt.

«Zentrale, hier spricht die Milchstrasse. Jemand klaut den Mond!»

«Klaut was?», stottert Jupiter schlaftrunken.

«Den Mond, er ist nicht mehr voll. Seit Tagen wird er immer weniger, wir verlieren ihn von rechts nach links.»

Sofort teleportiert sich Inspektor Jupiter zum Tatort.

«Was ist geschehen?»

«Ich weiss es nicht», jammert der Mond, «ich wache am Abend auf und immer fehlt ein Stück.»

«Wer macht denn sowas?», wundert sich Inspektor Jupiter.

Noch in dieser Nacht verhört er alle Planeten. Nichts. Ratlos zieht er sich in sein Wolkissariat zurück, wo er die Fakten sortiert. «Wer klaut den Mond? Und warum?».

Nervös wartet er am nächsten Abend auf den Mondaufgang. Schliesslich erscheint er, nur noch ein Schatten seiner selbst, mit einem weiteren Verlust auf der rechten Seite.

Kommissar Jupiter steht vor einem Rätsel. In den folgenden Tagen verhört er alle Himmelsbewohner, Engel, Petrus und sogar den lieben Gott, obwohl er von dessen Unschuld eigentlich überzeugt ist.

Als er das nächste Mal zum Tatort kommt, ist der Mond weg, Leermond. Der Kommissar weiss nicht mehr weiter.

 

Frustriert und ratlos setzt er sich an die Wolkenbar 7 und bestellt sich einen galaktischen Cocktail, er muss seine Nerven beruhigen.

«Stress Alter?», fragt Pluto hinter der Theke.

«Jemand stiehlt den Mond, und ich komme nicht dahinter», antwortet Kommissar Jupiter.

«Ganz cool Bruder, frag mal die Sonne. Die hat in letzter Zeit immer so auffällige Posts auf Instagram.»

«Danke», sagt der Kommissar, legt ein paar Sterntaler auf die Theke und startet sein Jetmobil.

Die Sonne räkelt sich bei 6000 Grad auf ihrem Liegestuhl und rückt ihre Ray Ban zurecht, als der Kommissar auftaucht.«Hast du etwas mit dem Verschwinden des Mondes zu tun?», fragt Jupiter.«Logisch», entgegnet die Sonne. «Der Mond wurde so überheblich mit seinem romantischen Getue. Theater, Gedichte, bla bla bla. Immer nur der Mond. Da musste ich ihm eine Lektion erteilen. Ohne mich ist er nämlich gar nichts. Kein bisschen Mondschein, nix Schein, der Schein bin ich.» «Aber hast du ihn geklaut?», fragt Jupiter.«Ach was», entgegnet die Sonne, «der ist noch genauso rund, wie er war. Man sieht ihn nur nicht, wenn ich ihn nicht beleuchte.»«Dann ist das gar kein Verbrechen?», wundert sich der Kommissar.«Natürlich nicht», entgegnet die Sonne. «Aber ab sofort entscheide ich, wann wie viel vom Mond zu sehen ist, damit er nicht wieder glaubt, er sei der Super-Hero.»«Dann lässt du ihn jetzt wieder erscheinen?»«Klaro, aber nicht alles auf einmal, schön Stück für Stück.»

An diesem Abend legt sich Kommissar Jupiter erschöpft ins Bett und verfällt sogleich in einen tiefen, unruhigen Schlaf. In seinem Traum klingelt das Telefon: «Kommissar Jupiter, kommen Sie schnell. Jemand hat die Ringe des Saturns geklaut!»

Redewendungen

 

Seit Stunden zerbreche ich mir den Kopf,

ich muss mir irgendetwas aus den Fingern saugen,

einen Text aus dem Ärmel schütteln.

Es müsste aber etwas sein, das Hand und Fuss hat,

das liegt mir ja so auf dem Magen,

denn es ist Anton am Letzten,

die Ausstellung ist schon in den Startlöchern

und ich stehe da wie der Esel am Berg.

Ich habe zwar eine lockere Zunge und bin auch nicht auf den Mund gefallen,

aber jetzt hab ich irgendwie ein Brett vor dem Kopf.

Ich kann meinen Beitrag wirklich nicht auf die leichte Schulter nehmen,

darum sitze ich wie auf glühenden Kohlen.

Das Ganze ist mir ein Dorn im Auge,

aber ich muss den Stier bei den Hörnern packen.

Heute hab ich wirklich eine lange Leitung,

es wirkt alles etwas an den Haaren herbeigezogen

ich will aber auch mal die 5 gerade sein lassen.

Jetzt können mir alle den Buckel runterrutschen.

Dieser Text ist nicht gerade das Gelbe vom Ei,

aber es wird mir wohl keine Zacke aus der Krone brechen.

Ich werfe jetzt die Flinte ins Korn,

und nehme auch gleich den Hut,

um mich aus dem Staub zu machen.

Fr. 950.00

40 x 40 cm

je Fr. 320.00

zusammen Fr, 580.00

Kill Royal

 

Sie fällt ihm sofort auf, als sie die noble Bar betritt. Sie ist noch jung, Anfang dreissig vielleicht, in einem eleganten Kleid, das sie bestimmt nicht in einem der bescheidenen Kleidergeschäfte im Dorf gekauft hat. Zwar hat das kürzlich eröffnete 5 Sterne Hotel dem Bergdorf etwas von dem längst verblichenen Glanz zurückgebracht, von damals, als es noch ein Kurort war, wo es noch grosse und für damalige Zeit luxuriöse Hotels gab, wo sich der Adel Europas seine Erholung in der gesunden Bergluft gönnte, die Damen in langen Röcken durch den Kurpark schritten und die Herren Ski fuhren und Zigarren rauchten. Ein ganz klein wenig von diesem Glanz ist mit dem Hotel zurückgekehrt. Das Dorf jedoch hat sich nicht verändert, die Geschäfte sind noch schlicht und sportlich orientiert.

Aus diesem Grund war er auch nach Zürich gefahren, um sich seinen einzigen teuren Anzug zu leisten. Damit geht er nun jeweils am Freitagabend in die Bar des Hotels, gönnt sich ein Glas Wein und lässt die Atmosphäre der grossen Welt auf sich wirken. Das ist seine Belohnung für eine aufreibende und körperlich anstrengende Arbeitswoche.

Die schöne Frau hatte er bereits vor einer Woche hier gesehen, zusammen mit einem älteren Herrn, ihrem Vater vielleicht, oder Grossvater sogar? Ihm war aufgefallen, dass sich das Personal überaus um den Herrn bemüht hat, ihn mit Lord angesprochen und umsorgt hat wie einen König. Die junge Dame an seiner Seite hat einen Kir Royal bestellt, während er nur Tee trank.

Heute jedoch setzt sich die Dame an die Bartheke, direkt neben ihn. Sie ist allein, der Lord ist nicht zu sehen. Sie bestellt einen Kir Royal und mit einem charmanten

 

Lächeln toastet sie ihm zu. Er ist verwirrt, glaubt im ersten Moment nicht, dass er gemeint ist. Doch als er merkt, dass niemand mehr hinter ihm sitzt, lächelt er verlegen zurück und hebt sein Glas. Sie nimmt ihr silbern glänzendes Täschchen von der Schulter und hängt es über die Stuhllehne. Einen Moment lang überlegt er sich, ob dieses Täschchen wohl mehr gekostet hat, als er in einem Monat verdient. Wie auch immer. Er hat zwar wenig Geld, jedoch andere Qualitäten. Er sieht nicht schlecht aus, durch die tägliche Arbeit an der frischen Luft ist sein Teint gebräunt, was ihm zusammen mit den grauen Schläfen eine unwiderstehliche Ausstrahlung verleiht. Dies scheint auf jeden Fall die schöne Lady zu empfinden, denn sie flirtet ganz offensichtlich mit ihm.

Sie spricht gebrochen Deutsch, doch die Unterhaltung wird mit jedem Glas angeregter. Selbstverständlich lädt er sie ein, obwohl der Preis für einen Kir Royal sein Budget bei weitem übersteigt. Als sie den dritten bestellt, wird er nervös und rechnet im Kopf seine Ausgaben der nächsten Wochen durch. Doch dann kramt sie in ihrem Täschchen herum und zieht einen Zimmerschlüssel hervor. Feierabend, denkt er erleichtert und gleichzeitig bedauernd. 

Mit einem Blick, der keine Zweifel offenlässt, schiebt sie ihm den Schlüssel über die Theke hin zu und verlässt wortlos die Bar. Er ist perplex. Er wartet einen Moment, bevor er die Rechnung bezahlt, den Schlüssel an sich nimmt und aufsteht. Da bemerkt er, dass sie ihr Täschchen an der Stuhllehne vergessen hat. Er nimmt es an sich und geht zum Aufzug.

Mit klopfendem Herzen steckt er den Schlüssel ins Schloss vom Zimmer 410. Vorsichtig öffnet er die Tür.

Das Zimmer ist fast dunkel, der Schein von einigen Kerzen verleiht dem Raum ein romantisches Licht. Am

 

Ende des Raumes glaubt er ein Bett auszumachen. Er tappt durch das Dämmerlicht, nervös und erwartungsvoll

zugleich. Was für ein Abenteuer!

Plötzlich stolpert er über ein Hindernis am Boden. Er tastet mit der Hand danach und erfasst etwas Weiches.

«Hallo», flüstert er in die Dunkelheit, bekommt jedoch keine Antwort. Der Raum scheint leer. Er tastet nach seinem Handy und schaltet die Lampe an - und erstarrt. Vor seinen Füssen liegt ein Mensch, - ein Mann, - der Lord!

Mit einem Schrei des Entsetzens zieht er seine Hand zurück, sie ist voller Blut. Panisch stolpert er zurück in den Korridor, die Treppe hinunter und in die Rezeption.

Da steht sie, die schöne Frau, in Tränen aufgelöst, umringt vom Personal des Hotels und von der Polizei.

«Da ist er!», schreit sie hysterisch und zeigt mit dem Finger auf ihn, «er hat meine Tasche gestohlen!»

Verwirrt erkennt er, dass er immer noch ihre Tasche in der Hand hält.

«Mein Gott, er hat Blut an den Händen. In der Tasche war mein Zimmerschlüssel. Mein Mann ist im Zimmer! Was hat er mit meinem Mann gemacht?», kreischt die Frau und macht Anstalten, zur Treppe zu rennen.

Die Polizeibeamten halten sie zurück.

«Das ist ein Missverständnis», stottert er. Ein Polizist hält ihn mit eisernem Griff fest und schaut ihn verächtlich an.

«Ich werde nach ihrem Mann sehen», beschwichtigt ein anderer Polizist und geht zum Fahrstuhl. Nach einer Weile kehrt er zurück, sein Kopf ist gesenkt. Er spricht mit der Frau, welche sogleich in ein hysterisches Geschrei ausbricht.

«Mörder!»

Während die Polizei ihn abführt, treffen sich ihre Blicke noch einmal und er könnte schwören, dass sie ein triumphierendes Lächeln auf den Lippen hat.

Der innere Schweinehund

 

Auf dem Hof der Bäuerin Elsa lebten einst ein Hund und ein Schwein. Sie waren gute Freunde und spielten den ganzen Tag draussen auf dem Feld. Eines Tages sagte Elsa zu ihnen: «Heute gehe ich auf den Tiermarkt und kaufe euch beiden eine Frau. Es wird Zeit, dass ihr Familien gründet.»

 

Noch am selben Nachmittag fuhr Elsa auf ihrem Traktor ins Dorf und als sie zurückkam thronten auf der Ladefläche eine Hündin und eine Sau. Bei dem Anblick bekam der Rüde weiche Knie und in seinen Augen funkelten tausend Herzen. Doch leider ging der Plan der Bäuerin ein ganz klein wenig schief, denn der Rüde verliebte sich unsterblich in die zartrosa schimmernde Borstenhaut der Sau.

Dies verwirrte sogar Amor, der sich verlegen am Kopf kratzte. Diesen Pfeil hatte er wohl verschossen. Doch da er ein Mann der Tat und der kreativen Lösungen war hatte er einen Plan B. Als nun die Hündin von der Ladefläche sprang und vor dem Eber stand, schoss er seinen zweiten Pfeil.

Zwar hatte sich die Bäuerin die Sache etwas anders vorgestellt, doch sie sagte schliesslich: «Soll mir recht sein, Hauptsache ihr gründet Familien.»

Dies liessen sich die Tiere nicht zweimal sagen, und übers Jahr tummelten sich ein Dutzend kleiner Schweinehunde auf dem Hof herum.

 

Wann immer die Bäuerin in den Hof kam, sah sie, dass ein kleiner Schweinehund stets abseits am Zaun stand.

«Möchtest du nicht mit deinen Geschwistern spielen?», fragte sie besorgt.

Der kleine Schweinehund schüttelte nur betrübt den Kopf.

«Da wird man so schmutzig.»

Die junge Schar der Schweinehunde wälzte sich im Dreck, rannte über die Felder und vergnügte sich im Garten.

«Komm, spiel mit uns!», riefen sie.

Doch der kleine Schweinehund sagte nur: «Ach nein, das ist mir zu anstrengend.»

Schliesslich erkannte die Bäuerin, dass es dem kleinen Schweinehund draussen auf dem Hof nicht gefiel und sie nahm ihn mit in ihre Stube.

«Vielleicht bist du ein innerer Schweinehund?», mutmasste sie. «Vielleicht gehörst du nicht nach draussen?»

 

Glücklich lümmelte er sich auf die Couch und liess sich von nichts und niemandem mehr dazu bringen, nach draussen zu gehen.

«Ich bin ein innerer Schweinehund», verkündete er stolz und fühlte sich als etwas ganz Besonderes.

Von diesem Tag an war er glücklich und zufrieden. Und wenn er nicht gestorben ist, dann lümmelt er noch heute auf der Couch herum.

Spiel Schweinehund.jpg

Kursprogramm

 

Ich habe mir die Aufgabe gestellt, aus einem x-beliebigen Heft einen Satz auszuwählen und daraus eine Geschichte zu schreiben. Das erste Schriftstück, das mir in die Hände gekommen ist war das Kursprogramm für die Lehrerweiterbildung. Daraus habe ich folgenden Satz gewählt:

«Ein sorgfältiges Durchblättern des Kursprogramms und ein genaues Durchlesen der Kursinhalte lohnt sich auf jeden Fall…….»

 

…….sonst geht es einem wie dem alten Jakob, einem passionierten Pfeifenraucher, der sich für den Kurs «Pfeifen selber herstellen» angemeldet hat.

« Gute Sache», brummt er in seinen Bart, während seine Alte neben ihm am Tisch Kartoffeln schält. «Hm», brummt sie zurück, was bereits eine ausgiebige Konversation der beiden ist und somit das Kommunikationsbedürfnis beider Parteien für den heutigen Tag ausgeschöpft wäre. Aber Jakob kommt in Fahrt: «Ich baue mir eine Pfeife, genau so, wie ich sie will. Gute Sache.» «Hm», erwidert die Alte zustimmend und schweigt konzentriert ihre Kartoffeln an. Für den Kartoffelstock nimmt sie immer die alten schrumpeligen Kartoffeln. Die sind noch lange gut genug.

Jakob kramt den Bleistift hinter seinem rechten Ohr hervor und macht sich mit seiner krakeligen Schrift daran, den Anmeldetalon auszufüllen. «Haben wir Briefmarken?» Die Alte hebt den Blick unter den dicken Augenbrauen und macht mit dem Kinn eine Bewegung Richtung Stubenbuffet.

1. Mai, 9.00 Uhr im Kirchgemeindesaal, notiert sich Jakob noch an den Rand der Tageszeitung, bevor er mit dem Anmeldetalon in der Hand Richtung Briefkasten an der Strassenecke schlurft.

Drei Tage später findet Jakob eine Kursbestätigung in seinem Briefkasten. «Verdammt klein geschrieben», knurrt er und holt die Lupe aus dem Buffet. «Bitte bringen Sie eine Schürze und Handschuhe mit», steht da geschrieben. Wozu wohl?

Pünktlich um 8.45 Uhr am 1. Mai steht Jakob vor dem Kirchgemeindehaus. In seiner Tasche hat er  seine Überhose und die Arbeitshandschuhe. Vor der Tür zum Kirchgemeindesaal haben sich bereits ein paar Leute versammelt. Da steht s` Vroni vom Hubelhof, s` Mattcher Käthy, s` Hansheinis Marie und s` Lisi von der oberen Fluh. Jakob staunt nicht schlecht, er wusste nicht, dass die Frauen Pfeife rauchen. Oder ob sie für ihre Männer ein Geschenk machen wollen?

Weitere Frauen gesellen sich zu der Gruppe und Jakob hält sorgenvoll Ausschau nach den männlichen Kursteilnehmern. Aber so sehr er sich auch den Hals reckt, er bleibt der Einzige. «Ich finde es ganz toll von dir Jakob, dass du am Kurs teilnimmst», plappert Vroni auf ihn ein, «findet ihr nicht auch? Seine Leni wird sich doch so freuen, wenn er ihr so etwas Schönes heimbringt.» Die Frauen nicken zustimmend und widmen sich weiter ihren Gesprächen über Wechseljahrbeschwerden, Waschküchenstreitigkeiten und Krampfadernsalben.

Punkt 9.00 Uhr öffnet sich die Tür zum Kirchgemeindesaal und die Frauen strömen hinein. Jakob geht ganz am Schluss. Im Saal eröffnet die Kursleiterin Hanna Zurfluh den heutigen Kurstag. Ganz besonders begrüsst sie den einzigen Mann in der Runde, Jakob.

Während die Frauen den Instruktionen von Hanna Zurfluh folgen und sich mit Wasser, Lauge und Rosenblättern auseinandersetzen, wird es unserem Jakob immer mulmiger. «Tschuldigung», sagt er zu seiner Nachbarin Hedi, «hast du das Kursprogramm dabei? Darf ich mal sehen?»

«Seifen selber herstellen» steht hier schwarz auf weiss. Das kann Jakob sogar ohne Lupe erkennen. Verdammt, warum hat er nicht auf seine Alte gehört und sich früher schon eine Lesebrille gekauft?

Mit dem Vorwand von Kopfschmerzen zieht er sich aus dem Kirchgemeindesaal zurück und versteckt sich im Restaurant Löwen. Ein oder zwei Bier haben ihm noch immer über alle Probleme hinweggeholfen. Wie soll Jakob nur seiner Alten erklären, dass sein Kurs ein Reinfall war, ohne sich zu blamieren? Am Nebentisch sitzt Anton und zieht genüsslich an seiner Tabakpfeife. Nach dem dritten Bier hat Jakob eine Idee. Er geht zu Anton: «Anton, ich will deine Pfeife.» «Nö, kriegst sie nicht.» «Aber ich bezahl dafür.» «Wieviel?» «100 Franken.» «Okay- Fräulein, noch ein Bier!»

Spät in der Nacht, nachdem Jakob und Anton noch sehr lange über den Deal diskutier haben, macht sich ein schwankender Jakob auf den Weg nach Hause.

«War ein langer Kurs», murrt seine Alte und dreht sich auf die andere Seite im Bett.  «Ja, aber es hat sich gelohnt. Ich zeig dir morgen die Pfeife, die ich gemacht habe.»

«Gut», murrt die Alte, «Vroni vom Hubelhof kommt zum Frühstück, kannst`s ihr auch gleich zeigen.»

verkauft

75 x 75 cm

85 x 65 cm

Ausstellung Wort und Bild.jpg

Zwei Jahre - 24 Monate - 24 Werke
mit Bildern von Antonia Kiser und Texten von Ursi van Muyden

In jedem Monat wurde ein Bild oder ein Text kreiert.
Zum Test entstand ein neues Bild, zum Bild entstand ein neuer Text.
Daraus ergaben sich 24 Gemeinschaftswerke, die zusammen (Un-)Sinn ergeben.

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S Zebra

 

Es Zebera im Pischama

wott äifach nid is Bettli ga

es schüttled heftig sini Määnä

debiä muäs es ganz zümftig gäänä

und d Augä ghiied em fascht zuä

und d Zebramuätter wett doch Ruä

doch isch nüd z machä, s Chind das bockt

und proteschtiärd am Bodä hockt:

«Mis Pischäma, diä schwarzä Schtrich

diä biissed und diä chratzed mich

und überhaupt bin ich ä Fee

ich will käi schwarzi Schträiffä mee.»

 

Ganz schlau wiä Mamis mängisch sind

chaufd d Zebramuäter irem Chind

es Pijama in Gold und Glimmer

und dekorärd nu s Chinderzimmer

mid tuusig Schäfli, Stück für Stück

das chlinä Zebra voller Glück

fad afa alli Schäfli zellä

owohl es das ja nid hed wellä

so falled im doch d Augä zuä

und endlich hed das Mami Ruä

Zebra gross und klein.jpg

Fr. 390.00

40 x 40 cm

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Anssichtsache

Ihr Mann hatte die ärgerliche Angewohnheit, am Abend seine schmutzigen Socken nicht in den Wäschekorb zu schmeissen, sondern irgendwo im Schlafzimmer liegen zu lassen, meist waren sie neben dem Wäschekorb am Boden oder auf einem Stuhl. Wenn sie dann als gute Hausfrau am nächsten Morgen die Wohnung sauber machte, war es an ihr, sich zu bücken und die Socken an ihren rechtmässigen Platz zu befördern. Mehrfach hat sie ihren Göttergatten darauf aufmerksam gemacht, die Socken doch gleich in den Wäschekorb zu werfen. Er hat es ihr immer wieder aufs Neue versprochen, aber aus irgendeinem Grund lagen die Socken weiterhin am Boden.

 

Daraufhin hat sie sich folgende Gedanken gemacht:

 

«Mein Mann hat keine bösartigen Charakterzüge, ich weiss, dass er mich liebt, er will mich nicht bewusst ärgern. Aber aus irgendeinem Grund kann er diese Regel einfach nicht befolgen. Vermutlich hat er einfach zu viel im Kopf.»

 

Nun also, da ihr Mann ganz offensichtlich diese Angewohnheit nicht ändern konnte, musste sie halt ihre Einstellung dazu ändern.

 

Von diesem Tag an war sie überzeugt, dass die Socken am Boden seine Art waren, ihr zu sagen, wie sehr er sie liebte und ihre Arbeit im Haushalt schätzte.

Von diesem Tag an zauberte es ihr ein Lächeln ins Gesicht und eine wohlige Wärme erfüllte ihr Herz, wenn sie sich bückte, um seine schmutzigen Socken aufzuheben und in den Wäschekorb zu werfen.

 

 «Wie leicht ist es doch, sich zu ärgern, aber wie leicht ist es auch, es nicht zu tun.»

Gelassenheit.jpg

40 x 40 cm

Fr. 350.00

Schlittenhund.JPG

verkauft

Schlittenhund

Es war einmal ein Schlittenhund

mit edlem Namen Sigismund

er rannte schneller als der Blitz

viel schneller als sein Kumpel Fritz

Dem Sigismund dem lag`s im Blut

dem Fritzchen jedoch tat`s nicht gut

weil sie gemeinsam vor dem Schlitten

sich täglich übers Tempo stritten

der Fritz trainierte Tag und Nacht

doch hat dies kaum etwas gebracht

auch Coaching oder Mentorat

gab kein gewünschtes Resultat

so war es nicht mehr abzuwenden

das Teamwork schliesslich zu beenden.

 

Der Husky rennt nun wie der Blitz

und was macht heut der liebe Fritz?

Er macht gemächlich seinen Wackel

denn unser Fritzchen ist ein Dackel.

Fr. 420.00

75 x 75 cm

Die Kräuterhexe

Im tiefen, finsteren Wald, da, wo die grummeligen Wurzelkerle wohnen und mit ihren schwarzen Äxten und Sägen die dunklen Stämme fällen, ihre russigen Holzpfeifen rauchen und dabei düstere Lieder brummen, da lebt Ida, die kleine Kräuterhexe. Ihre Kleider sind so farbenfroh wie die Federn eines Kanarienvogels, in ihrem bunten Kräutergarten wachsen alle Kräuter der Welt, und ihr kleines Häuschen leuchtet gelb und pink wie der Himmel im Abendrot.

Jede Woche bringt Ida ihre Kräuter ins Dorf zum Markt. Die Leute im Dorf erwarten sie und bald bildet sich eine lange Reihe vor ihrem Marktstand.

Ida hat ein Kraut für Alberts Husten und eins für Annas Bauchkrämpfe, eines für Omas Gicht und eins für Babys Blähungen. Alle kommen zu ihr, und sie kann allen helfen.

Am beliebtesten sind Idas Nesseln, ein wahres Wunderkraut gegen viele Beschwerden. Ida macht daraus Tee und verteilt ihn grosszügig.

So freuen sich die Leute, wenn Ida ins Dorf kommt, doch niemals würde es irgendjemand wagen, zu ihr in den Wald zu gehen, denn alle haben Angst vor den grummeligen Kerlen.

Eines Tages hört der König von dem kleinen Dorf und Idas Wundergarten. Sofort ruft er seine tapfersten Soldaten zusammen und befielt ihnen: «Reitet sofort in den Wald und holt mir die Kräuterhexe. Reisst alle Kräuter aus und bringt sie in mein Schloss. Sie soll mir einen Garten im Schlosspark anlegen. Ich will diese Kräuter besitzen und über Gesundheit und Krankheit entscheiden.»

Sofort machen sich die Soldaten auf den Weg. Als der Wald immer dunkler wird, hören sie plötzlich ein dumpfes Schlagen und Sägen. Die Soldaten beginnen sich zu fürchten. Trotzdem reiten sie mutig weiter und erspähen schliesslich an der finsterster Stelle des Waldes einen leuchtenden, bunten Garten. Als sie sich jedoch dem Garten nähern, erheben sich aus den Baumwurzeln grummelige Gestalten und brummen eine düstere Melodie. Verängstigt wollen die Soldaten umdrehen, aber der Anführer ruft: «Los, reisst die Kräuter aus, der König hat es befohlen!»

Die Soldaten stürmen in den Garten. Doch in diesem Moment beginnen die Nesseln zu wachsen und überwuchern alle anderen Kräuter. Die Soldaten versuchen, nach den Kräutern zu greifen. Da umringen die Wurzelkerle den Garten und befehlen: «Brennt! Nesseln brennt!»

Alsbald wachsen auf den Blättern der Nesseln kleine Härchen, die einen brennenden Saft absondern. Die Hände der Soldaten beginnen zu jucken und zu brennen und es bilden sich rote Pusteln.

Schreiend fliehen die Soldaten in alle Himmelsrichtungen. Von diesem Tag an hat es nie wieder jemand gewagt, Idas Kräutergarten zu betreten.

Ida bringt wieder jede Woche ihre Kräuter ins Dorf. Bei den Nesseln jedoch muss man vorsichtig sein und sollte sie nur von unten anfassen.

Von nun an heissen sie Brennnesseln.

Summerziit

Wenn de Gartä trochä isch,

d Wäschpi närved uf em Tisch,

wenn mä s Biär i Schattä schtelld,

d Muggäschtich am Körper zelld,

 

Wenn mä es Bikini chauft,

d Glace i de Hand verlauft,

s Tiischört tropfä tuäd vom sSchwitzä,

cha am Abä dussä sitzä.

 

Wenn de Sunnäbrand chli brennd,

äim de Schtrandbarkeeper kennd,

isch es endlich etz so wiit:

lang ersehnti Smmerziit!

Sommer.JPG

85 x 65 cm

Fr. 390.00

Spatzen

Die Frühlingssonne legt eine wohlige Wärme über meine Schultern. Was für eine Wonne, wenn ich mich nach der kalten Jahreszeit zum ersten Mal wieder in ein Gartenrestaurant setzen und mir einen Aperol Spritz zu Gemüte führen kann. Die zufriedenen Gesichter der anderen Gäste zeigen mir, dass es ihnen genau so geht.

Auf der Mauer vor dem Restaurant sitzen Spatzen, die erwartungsvoll auf die Gäste herab blicken, allzeit bereit herzuflattern, sollten Chips auf den Boden fallen. Oder sofort den Tisch zu reinigen, sobald die Gäste aufstehen und das Lokal verlassen, schnell noch, bevor der Kellner kommt und sie wegscheucht.

Ich habe vollstes Verständnis für händeklatschendes Servicepersonal und armwedelnde Gäste. Wer will schon verschissene Tischtücher und verunreinigte Sitzkissen? Trotzdem liebe ich die kleinen, frechen Viecher über alles. Das Vergnügen, das es mir bereitet, zuzusehen, wie sie geschickt auf dem Tisch landen, ein Krümelchen aufpicken und wegfliegen, bevor der Gast reagieren kann, ist einfach göttlich. Kürzlich ist es einem sogar gelungen, den ganzen Zipfel des Gipfelis von meinem Teller zu schnappen und damit loszufliegen.

 

Heute habe ich zu meinem Aperol Spritz Salznüsschen bekommen. Eher ungünstig, erstens kann ich sie nicht ausstehen, und zweitens sind sie für kleine Vögel schwer zu knacken.

Verstohlen schaue ich mich um. Kein Kellner ist in Sicht, die anderen Gäste beachten mich nicht, ich kann es wagen. Ich nehme ein Nüsschen in den Mund, zerbeisse es, spucke es in meine Hand und werfe es mit einem erneuten Blick in die Runde, um sicher zu gehen nicht beobachtet zu werden, unter den Tisch.

Als hätten sie es vorausgesehen, flattern mindestens zehn

 

Spatzen gleichzeitig zwitschernd unter meinen Tisch. Das Versteckspiel ist aus, die Tarnung ist aufgeflogen, ich bin in den Fokus der Gäste gerückt. Ich tue so, als hätte ich keine Ahnung, was da los ist, und winke scheinheilig einen Kellner herbei, um mir einen zweiten Aperol Spritz zu bestellen.

Freundlicherweise wird mir nun dazu eine Schale mit Chips serviert. Chips lassen sich unauffällig in der Hand zerbröseln und fliegen dann ganz zufällig, indem ich scheinheilig meine Hände an der Hose abwische, unter den Nachbartisch. Mit dem triumphierenden Gefühl einer Kriminellen, der gerade der ganz grosse Clou gelungen ist, beobachte ich vergnügt das Eldorado.

Als ich mich jedoch wieder meinem eigenen Tisch zuwende, entdecke ich, dass sich zwei besonders mutige Vögelchen direkt an meiner Chips-Schale bedienen. In meinem Nacken spüre ich förmlich die erwartungsvollen Blicke der anderen Gäste. Gespielt empört, aber sehr langsam, mache ich eine wegweisende Handbewegung in Richtung der Chips-Schale. Die Zuschauer sind zufrieden. Ich vertiefe mich daraufhin in mein Handy und merke fast überhaupt nicht, wie meine kleinen Freunde, von meiner lahmen Handbewegung unbeeindruckt, zurückkommen und sich bedienen.

Was für ein Vergnügen.

 

Mir ist bewusst, dass Salznüssli und Paprika Chips nun wirklich keine gesunde Nahrung für Vögel sind, aber wer bin ich denn, ihnen vorzuschreiben, was sie essen dürfen und was nicht? In der freien Natur essen sie auch, was gerade herumliegt und mal ehrlich, dürfen sie das nicht selber entscheiden?

 

Auf jeden Fall bin ich dankbar, dass kein Spatz an meinen Tisch kommt, um mir den inzwischen dritten Aperol Spritz zu verbietet. Denn, dass er mir ebenfalls nicht gut tut, das kann ich bereits spüren. Geniessen tu ich ihn trotzdem.

Fr. 290.00

40 x 40 cm

verkauft

Papagäi

 

Herr Papagäi

dä wott nid häi

will sini Frau diä läid es Äi

und immer wenn dä Tag isch cho

de isch si gätzig wiänä Floh

drum gönnd är sich, wer chas verdänkä

nu äis, zwäi Korn i «Ara`s Schänkä»

doch hed är nach vorgrücktä Schtundä

de Häiwäg au nid liächter gfundä

will d Papagäiin hockt dehäi

bestimmt scho längschtens ufem Äi

und närvd sich me, mid jeder Schtund

das irä Alt nid retour chund

so hed mä ins bim Schnapslä gsee

20 Täg und eppä nuchli mee

bis är gnuäg Muät aatrunkä gha

um häi zu siner Gattin z ga

beräit fürs grossä Donnergwitter

luägt är beschämt durs Chefigitter

doch blased dett käi chaltä Wind

es chlises Papagäiächind

höckled dehäimä i sim Huus

streckt sini Flügel nach im uus

und d Frau vor Glück nimmd ihn i Arm

und iri Schtimm isch liäb und warm

« wiä schön bisch da, ich ha di gärn

bliib bitte niäme so lang färn»

Herr Papagäi verschpricht das gschwind

blibt immer jetz bi Frau und Chind.

60 x 60 cm

Fr. 460.00

Spiegelbild im See

 

Es spiegelt sich die Welt so klar,

so schön, so stark, so wunderbar.

Du fühlst dich leicht und fühlst dich froh-

und denkst, es bleibt für immer so.

 

Doch trügt der Schein, ein kleiner Wind

verzerrt das Bild und zeigt geschwind,

dass Schönes sich in Falten legt,

wenn Wind und Sturm darüber fegt.

 

Der stärkste Sturm stirbt irgendwann,

drum gib nie auf und bleibe dran,

ein Wunder kann auch dir geschehn,

ich weiss es, denn ich hab’s  gesehn.

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Erwachen

Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln zärtlich dein Gesicht,

wach auf und fühl,

die Luft noch schwül,

das erste Morgenlicht.

 

Der Atem und die Morgenluft tun deiner Seele gut,

sei dir bewusst,

dass Lebenslust

in deinem Herzen ruht.

 

Du bist vom Leben reich beschenkt, dein Herz ist stark und leicht,

du spürst kein Leid,

Gelassenheit,

hast schon so viel erreicht.

 

Und deine Liebsten stärken dich, sind deinem Herzen nah,

sie lassen Raum

für deinen Traum

und sind doch immer da.

 

Sei dir bewusst, was wirklich zählt, kein Luxus und kein Geld,

ist Dankbarkeit,

Zufriedenheit –

das Grösste auf der Welt.

40 x 50 cm

Fr. 420.00

Das Märchen vom Blumenengel

Es war eine dunkle Zeit. Die Welt war erfüllt von Krieg und Hass, Geld und Macht regierten das Leben, und die Menschen machten einander das Dasein schwer. Da beschloss der Engel Florus, den Menschen die Blumen zu nehmen, sie hatten ihre Schönheit, ihre Zartheit und ihren Duft nicht mehr verdient. In einer einzigen Nacht sammelte er alle Blumen ein und hinterliess nichts als kahle, braune Erde.                                                                 

Den Bienen fiel es als Erste auf. Verwirrt surrten sie umher und suchten verzweifelt nach etwas zum Bestäuben. Doch da es keine Blüten mehr gab, wandten sie sich hilflos den Menschen zu, was ein heilloses Durcheinander verursachte. Plötzlich trug die Bauerntochter das Kind des Dorfpolizisten unter dem Herzen, und die Gemeinderätin erwartete eines vom Pfarrer. Selbst die betagte Jungfer Dorothee wurde schwanger – von wem, wusste sie nicht genau, doch sie hatte ihren verschmitzten Nachbarn Max im Verdacht. Der Engel Florus sass unterdessen auf seiner Wolke und kratzte sich grübelnd am Kopf.                               

Die Männer, die ihren Frauen hin und wieder Blumen mitbrachten, meist als Entschuldigung für einen zu langen Abend im Wirtshaus, standen ratlos da. Notgedrungen kauften sie Pralinen statt Rosen, was zur Folge hatte, dass die Frauen bald pummelig wurden und sich über Karies beklagten. Der Engel Florus seufzte tief.                                                                                         

Auch die Maler litten unter dem Verlust. Stundenlang sassen sie mit ihren Staffeleien in der nun tristen Natur, doch statt farbenfroher Blumenbilder entstanden nur noch langweilige, braune Gemälde. Schon bald war braune Farbe in keinem Geschäft mehr zu bekommen, und in den Museen hingen nur noch trostlose Bilder. Der Engel Florus raufte sich verzweifelt die Haare.

80 x 80 cm

Fr. 840.00

Die Rache des Grünzeugs

 

Tief unten, in der Erde des Finsterwaldes, zwischen den Wurzelarmen vom kerligen Knorrenbaum, wurmelt sich eines schmierigen Nebeltages ein aalig windiger Samenkeimling durch die moderige Borkenerde hindurch. Ranklistig greifen seine zarten Lebensfäden nach dem feuchten Nährfinst und treiben den Grünspross Richtung Lichtquell. Mit einem nachtleisen Seufzer bricht die Erde auf, als sich der erste Triebling aus der Schwärze schält, als trüge er längst die Schuld einer verlorenen Zukunft in sich.

Während die fahle Sonne über den Horizont kriecht, erbleicht der Himmel in grauer Vorahnung. Aus den Ästen erklingen Töne, schrill und schief, wie Warnrufe aus gefiedertem Wahnsinn.

Jungfräuliche Zuckerblüten, die eben noch ihre zartrosa Minne in die Frühlingsluft gehängt hatten, verstillen zu flehendem Geflüster.

Ein stockmutiger Brombeerstecher nähert sich misstrauisch dem neugeborenen Keim. Seine tastenden Fühlarme berühren neugierig das zarte Grün. Wie von Geisterhand beseelt, erwachen alsbald schimmerfahle Gewächse aus dem zierlichen Spross, flustrige und hauchzerfaserte Blattgebilde, und breiten sich in seelenflüchtiger Hast über den dunkelfeuchten Boden. Jeder Baum und jeder Strauch, jede Blume und jedes Kraut wirkt wie fremdverschworen, vernebelt von wurzelschwärmerischer Trance, und neigt sich dem kriechflorigen Etwas entgegen, das in flutender Gier alles durchdringt. Bald schon quillt ein wuchermeeriges Grünzeug aus allen Richtungen heran und legt sich wie ein teufelrankender Teppich über die Erde, der alles Lebendige unter sich erstickt und in geheimnistrübem Schweigen begräbt.

S Meerschwäin

 

Es Meerschwäin namens Lorely

isch schtolz, es richtigs Meerschwäin z sii,

mid «Meer» im Namä, das tuäd schtimmä,

chan ich bestimmt wiä Delfin schwimmä,

cha tauchä tiäfer als de Wal

und plantschä wiänä Zitteraal.

Das Meer isch mi Beschtimmigsort,

drum gan ich vo dehäimä fort

und zäigä minä Artgenossä:

Zum Schwimmä bruicht mä käini Flossä,

Es winkt «tschau tschau» id Fründesrundä

und gilted sithär als verschwundä.

verkauft

60 x 60 cm

Fr. 440.00

Fr. 440.00

55 x 65 cm

Ananas

 

Seit Menschengedenken wachsen in Madagaskar die grössten und süssesten Ananas der Welt. Die Plantagenbesitzer wetteiferten um den Preis der köstlichsten Frucht. Sie hegten und pflegten ihre Pflanzen, tränkten sie mit Wein und Zuckerwasser und manch einer sang ihnen schon mal abends ein Gutenachtlied vor. Könige und Kaiser der Welt verzehrten sich nach der süssen Lust und schickten ihre Diener auf die Insel, um die grössten und besten Exemplare zu ergattern.

In diesem Jahr jedoch blieb die Ernte dürftig. Die Früchte waren klein und hart, sie wollen einfach nicht richtig wachsen, trotz Liebe, Sonne und Crescendo.

Tief im Verborgenen auf Bauer Rivos Farm, zwischen dem Ziegenstall und dem Katzenklo, da wuchs ganz einsam eine Ananas. Sie wuchs grösser als alle anderen Ananas der Insel. Als Bauer Rivos Frau sie entdeckte, war sie sprachlos. Es schien, als hätte sie alle Kraft der ganzen Insel in sich aufgenommen. Sie war die grösste, süsseste und saftigste Frucht, die je auf der ganzen Welt gewachsen war.

Der Zufall wollte es, dass genau in diesem Moment ein Tourist über den Gartenzaun spähte und das Wunderstück entdeckte. Sofort postete er ein Bild auf Socialmedia. Und so kam es, dass das Bild augenblicklich auf Sergei Roldugis Facebook Seite landete, der gerade nichts anderes zu tun hatte, als im Internet herumzugeistern. Dieser rannte, nein, stolperte förmlich in Putins Schlafgemach, welcher gerade dabei war, in seine blau- weiss gestreifte Pyjamahose zu schlüpfen.

Das Bild der atemberaubenden Schönheit überwältigte den russischen Präsidenten, und wie es halt in seiner Natur war, so wollte er sie besitzen. Die Frucht, oder die Plantage, oder besser noch, das ganze Land.

Sofort schickte er seine Soldaten los, Madagaskar zu erobern.

Als die russischen Soldaten auf Madagaskar eintrafen, liess König Julien sie zu sich rufen.

«Was wollt ihr hier?», fragte er die Soldaten.

«Putin will Madagaskar haben,» entgegneten die Soldaten.

«Warum?», fragte König Julien.

«Wegen der Ananas,» entgegneten die Soldaten.

Darauf schickte König Julien seine Lemuren los, die Ananas zu holen.

Er liess sie aufschneiden und verteilte sie unter den Soldaten, dem Hofstaat und all seinen Lemuren. Noch nie in ihrem Leben hatten die russischen Soldaten so etwas wunderbares gegessen.

Der König liess Wein ausschenken und Musik spielen, und sie feierten bis in die Morgenstunden.

«Nun», sagte König Julien zu den russischen Soldaten: «Da die Ananas nun gegessen ist, gibt es auch keinen Grund mehr, unser Land zu erobern.»

Das sahen die Soldaten ein. Trotzdem hatten sie noch eine Bitte.

«Dürfen wir nicht hierbleiben?», fragten sie. «Feiern und tanzen macht so viel mehr Spass als kriegen und sterben.»

Das wiederum sah König Julien ein und hiess sie herzlich willkommen. Sie bekamen die verantwortungsvolle Aufgabe dafür zu sorgen, dass immer irgendwo auf der Insel ein Ananas-Fest gefeiert wurde.

Putin hingegen sass im kalten Russland ohne Ananas, ohne Soldaten und ohne Krieg.

Seit diesem Tag an ist die Ananas das Zeichen für Frieden

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Heimat

 

Ich reiste weit, durch Land und Zeit,

auf jeden Kontinent,

sah Welten voller Herrlichkeit

und lebte den Moment.

 

War oben auf dem Eiffelturm,

beim Nordlicht, tief im Schnee,

im Segelboot bei Wind und Sturm

allein auf hoher See.

 

Ich war im heissen Wüstensand

und auch im Taj Mahal,

sah tausendmal in einem Land

den ersten Sonnenstrahl.

 

Trotz all der Schönheit, nirgendwo

empfinde ich das Glück,

wenn ich vom Reisen, müd und froh,

nach Hause kehr zurück.

 

Geliebtes Bergdorf, schlicht und klein,

erfüllt mit Freud und Sinn,

wo Herz und Seele sind daheim

und ich willkommen bin.

Zoo

 

Am Sunntig nach de Früämäss ide Bäiz, da hockid viär

pensioniärti Buirä bimnä Chorn und bimnä Biär.

Nach de drittä Fläschä, es isch immer scho so gsi,

churz bevor si ubergand zum Schnaps oder zum Wii,

hends di guätä Ifäll, gar diä zündendi Idee,

was das Dorf nu bruicht und was es gar nu niä hed gsee.

Därmal ischs am Sepp si Chuä so äinsam und nid froh

d Lösig stad sofort im Ruim: «jetz gründi mer ä Zoo.»

S ganzä Dorf isch involviärd und jedä isch parad,

bringd, was grad derhäimä nu so nutzlos umäschtad:

 

Es bringd de

Rolf si Wolf

und de Paul si Gaul,

de Hans sini Gans

und de Roy si Loi.

De Kay bringd de Hai

und de George si Dorsch.

S Liseli bring s Wiseli,

d Adele iri Makrele

d Klara irä Ara,

d Lotte iri Motte,

d Nala bringd s Impala

und d Wanda irä Panda,

d Leonie bringd s Federvieh,

de Marius si Rothalsstruss,

de Theophil sis Krokodil,

de Leodegar sis Dromedar,

de Pascal bringd de Zitteraal,

de Eberhard si Leopard,

de Domingo si Flamingo,

de Theodor si Labrador,

de Jonathan si Kormoran,

und d Gudrun ires Perlhuhn.

 

So isch im chlinä Dörfli duä de gröschti Zoo entstandä,

d Lüüt, wo sind go luägä cho, diä hends sofort verstandä,

de Urschprung für nä Grosserfolg, das hed mä hiä ja gsee,

isch gar nid sältä, wiä mä wäiss, ä simpli Schnapsidee.

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Hans Optimist

 

Hans Optimist, der könnte klagen,

nach Total-Crash mit seinem Wagen.

Stattdessen jubelt er vor Glück:

«Das Steuerrad ist noch am Stück!»

 

Seit Stunden steht der Hans im Stau,

vergnügt sagt er zu seiner Frau:

«Denke dir jetzt, wenn wir nicht fahren,

wie viel teures Benzin wir sparen.»

 

Gefahr vom Christbaum nicht erkannt,

sein Haus ist total abgebrannt,

er lacht: «Das Haus war so verschmutzt,

zum Glück hab`ich noch nicht geputzt.»

 

Und seine Frau ist im Vertrauen

mit seinem Kumpel abgehauen.

«Macht nichts», denkt er, «viel Glück mein Schatz,

ich hab` im Bett jetzt viel mehr Platz.»

 

Beim Bergsturz fallen schwere Steine,

der Hans verliert gleich beide Beine.

«Jetzt muss ich», meint er ganz bescheiden,

«nie wieder Zehennägel schneiden.»

 

Nach seinem Tod, welch Schweinerei,

der Himmel hat kein Plätzchen frei,

worauf Hans dann, nicht irritiert,

im Höllenfeuer Steaks grilliert.

Fr. 520.00

77 x 77 cm

De_Schneemaa.jpg

verkauft

Wahrsager

 

Ein Wahrsager ist ein Wahrsager, weil er wahr sagt, so sagt man. Würde er nicht wahr sagen, wäre er ein Nichtwahrsager. Wenn jetzt der Wahrsager wahr sagt, muss man warten, bis das, was er wahr gesagt hat, wahr wird, erst dann weiss man, dass der Wahrsager ein Wahrsager ist und nicht ein Nichtwahrsager.

Wenn man aber warten muss, bis die Wahrheit wahr wird oder eben nicht wahr wird, und erst dann weiss, ob es ein Wahrsager oder ein Nichtwahrsager war, der die Wahrheit oder Nichtwahrheit gesagt hat, war es völlig überflüssig, zu einem Wahrsager zu gehen, denn, wenn man einfach gewartet hätte, hätte man selber gesehen, was wahr oder nicht wahr wird.

Wie wahr!

verkauft

60 x 60 cm

verkauft

Die kleine Schnecke

 

Auf einer kleinen Insel, mitten im Atlantischen Ozean, lebte einst eine unternehmungslustige Schnecke. Sie kroch täglich in ihrem Wald herum und fragte allen Lebewesen, die sie antraf, Löcher in den Bauch. Die meisten Tiere verkrochen sich daher schnell in ihren Bau, wenn sie sie herankriechen sahen.

Eines schönen Morgens setzte sich eine Möwe in die Baumkrone über dem Schneckenhaus.

«Woher kommst du?», fragte die Schnecke neugierig. «Aus Italien», antwortete die Möwe.

«Wie sieht es dort aus?», wollte die Schnecke wissen. «Wunderschön», sagte die Möwe wortkarg, denn sie war keine besondere Plaudertasche. «Was tut man dort?», bohrte die Schnecke weiter. «Italienisch sprechen und Pizza essen.» «Was ist Pizza?», die Schnecke liess nicht locker.

«Das Wunderbarste, das man je in seinem Leben essen kann.» Die Möwe spreizte ihre Flügel und hob ab. Sie hatte genug von diesem Gespräch.

Die Schnecke jedoch begann zu träumen: Wunderschönes Italien, wo man Italienisch spricht und Pizza isst, das wollte sie erleben.

«Ich gehe nach Italien», verkündete sie noch am selben Abend ihrer Freundin, der klugen Eule. «Kannst du mir sagen, wie ich dahin komme?»

«Das ist schwierig», erklärte die Eule, «da müsstest du über das grosse Meer.»

«Kein Problem», meinte die Schnecke, «mein Schneckenhaus schwimmt. Wo finde ich das grosse Meer?»

 

«Wenn du bis an den Waldrand kriechst und zu ganz viel Wasser kommst, sehr viel Wasser, so dass du das andere Ufer nicht sehen kannst, dann bist du am Meer.» «Danke!», ruft die kleine Schnecke aus und machte sich auf den Weg.

Unterwegs traf sie auf den Fuchs. «Wohin gehst du?», fragte der Fuchs.

«Nach Italien, Pizza essen», erwiderte die Schnecke stolz. Der Fuchs jedoch begann zu lachen. «Das schaffst du niemals, dafür bist du viel zu langsam, du kleine Schnecke. Ha, ha, ha, ha!», und er hielt sich den Bauch vor Lachen und ging zurück in seinen Bau.

Die Schnecke war beleidigt. «Natürlich schaffe ich das», dachte sie trotzig, «du wirst schon sehen.» Und sie legte eine extra grosse, sabberige Schleimspur direkt vor den Fuchsbau.

 

Zur selben Zeit beschloss ein Pizzaiolo in Italien, nach Amerika auszuwandern und dort eine Pizzeria zu eröffnen. Niemand in seiner Heimatstadt Napoli wollte ihn gerne gehen lassen, denn er war ein sehr guter Pizzaiolo, aber sein Entschluss stand fest. Er packte alles, was er für eine Pizzeria brauchte, in eine grosse Holzkiste und bestieg damit zusammen mit vielen anderen auswanderungsfreudigen Italienern das Schiff nach Amerika.

 

Auf der kleinen Insel kam kurze Zeit später der Bär am Fuchsbau vorbei. Er hatte im Sinn, seinen Fuchsfreund aufzuwecken, um etwas mit ihm zu spielen. Vor dem Fuchsbau rutschte er jedoch so unglücklich auf der sabberigen Schleimspur aus, dass er den Abhang hinunterkullerte und mit dem Kopf unsanft am Stamm einer Kokospalme aufschlug. «Aua!», rief er aus und massierte seine Beule.

 

Auf dem Baum hatte ein kleiner Affe gerade eine Kokosnuss gepflückt, die ihm durch den Aufprall aus der Hand rutschte. Nicht willig, seine Beute einfach so fallen zu lassen, hechtete er hinter ihr her. Dabei übersah er, dass sich die Krone der Palme weit über einen Felsvorsprung beugte, der direkt zum Meer hinabfiel. Der Affe und die Kokosnuss landeten im Wasser, genau im Fischernetz vom Fischer Anton. «Hör auf zu zappeln!», fauchte der Fischer, «du verknotest mir das ganze Netz.» Aber der Affe zappelte um sein Leben, um nicht zu ertrinken, und verfing sich immer mehr in den Maschen. Anton hatte alle Mühe, ihn daraus zu befreien. Die ganze Aktion dauerte eine geraume Weile, währenddessen Antons Fischerboot unkontrolliert auf das Meer hinaustrieb.

Im letzten Augenblick riss der Kapitän eines grossen Schiffes, das von Italien nach Amerika unterwegs war, das Ruder herum, um nicht mit dem kleinen Fischerboot zu kollidieren. Durch diese Aktion geriet das Schiff in Seitenlage und kenterte. Alles fiel über Bord: Passagiere, Mannschaft und die ganze Ladung des Schiffes.

Italiener können zwar schwimmen, aber die Strecke bis zu der kleinen Insel, die sie in der Ferne sahen, war auch dem kräftigsten Schwimmer zu weit.

Nun hatte der Pizzaiolo in seiner Holzkiste aber so viel luftigen Pizzateig geladen, dass die Kiste genügend Auftrieb hatte, um zu schwimmen. Bald hatten sich alle glücklich auf die Kiste gerettet und trieben nun schaukelnd der kleinen Insel zu. Dankbar für die Rettung begannen sie zu singen und zu tanzen, sobald sie wieder festen Boden unter den Füssen hatten. Der Pizzaiolo packte seine Kiste aus. Die Pizzeria wurde aufgebaut, Pizza wurde gebacken, Wein floss in Strömen und sie feierten das grösste Freudenfest ihrer glücklichen Rettung.

 

Zur selben Zeit erreichte die kleine Schnecke den Waldrand und stand vor einer Pfütze. Ob das das Meer war? Sie reckte ihre Fühler, soweit sie konnte, sie war jedoch zu klein, um auf die andere Seite zu spähen. «Dann muss es das Meer sein», dachte sie, «ich sehe das andere Ufer nicht.» Sie zog sich in ihr Schneckenhaus zurück, verklebte den Eingang mit Schleim und liess sich ins Wasser rollen. Kurz darauf hatte sie der Wind auch schon auf die andere Seite getrieben. Verwundert kroch sie aus ihrem Schneckenhaus. «Na, das war ja einfach», sagte sie zu sich selbst, «bin ich in Italien?» Von Weitem hörte sie Singen und Jauchzen in einer Sprache, die sie nicht verstand. Ob das Italienisch war? Sie kroch weiter, den Tönen entgegen, und wurde von einem köstlichen Duft umgeben. «Pizza!», flüsterte sie andächtig und kroch, so schnell sie konnte. Bald hatte sie die Gruppe fröhlich feiernder Menschen erreicht.

«Seid ihr Italiener?», fragte sie aufgeregt.

«Si, si», nickten die Italiener.

«Und ist das Italienisch?», sie deutete auf einige wild gestikulierende und diskutierende Leute.

«Si, si», kam die Antwort.

«Und ist das Pizza?», jubelte sie.

«Si, si», der Mann vor ihr legte ein grosses Stück Proschiutto è Funghi auf den Boden.

Die kleine Schnecke war im siebten Himmel. Noch nie hatte sie etwas Köstlicheres gegessen, noch nie in ihrem Leben war sie so glücklich gewesen.

«Ich hab’s gewusst», dachte sie selig, «man kann alles erreichen, wenn man nur fest genug daran glaubt.»

je 29 x 26 cm

Fr. 420.00

Der Mond

Eigentlich ist der Mond rund, das weiss jedes Kind, runder als der Mond kann man gar nicht sein. Die Erdenbewohner nennen ihn Vollmond. Sie bewundern ihn für sein Auftreten, verfallen in romantische Glückseligkeit, schreiben Gedichte und malen Kunstwerke. So war es zumindest seit Anfang der Zeit. Doch etwas Schreckliches ist geschehen, am Himmel wurde gestohlen.

Mitten in der Nacht wird Inspektor Jupiter aus dem Schlaf geklingelt.

«Zentrale, hier spricht die Milchstrasse. Jemand klaut den Mond!»

«Klaut was?», stottert Jupiter schlaftrunken.

«Den Mond, er ist nicht mehr voll. Seit Tagen wird er immer weniger, wir verlieren ihn von rechts nach links.»

Sofort teleportiert sich Inspektor Jupiter zum Tatort.

«Was ist geschehen?»

«Ich weiss es nicht», jammert der Mond, «ich wache am Abend auf und immer fehlt ein Stück.»

«Wer macht denn sowas?», wundert sich Inspektor Jupiter.

Noch in dieser Nacht verhört er alle Planeten. Nichts. Ratlos zieht er sich in sein Wolkissariat zurück, wo er die Fakten sortiert. «Wer klaut den Mond? Und warum?».

Nervös wartet er am nächsten Abend auf den Mondaufgang. Schliesslich erscheint er, nur noch ein Schatten seiner selbst, mit einem weiteren Verlust auf der rechten Seite.

Kommissar Jupiter steht vor einem Rätsel. In den folgenden Tagen verhört er alle Himmelsbewohner, Engel, Petrus und sogar den lieben Gott, obwohl er von dessen Unschuld eigentlich überzeugt ist.

Als er das nächste Mal zum Tatort kommt, ist der Mond weg, Leermond. Der Kommissar weiss nicht mehr weiter.

 

Frustriert und ratlos setzt er sich an die Wolkenbar 7 und bestellt sich einen galaktischen Cocktail, er muss seine Nerven beruhigen.

«Stress Alter?», fragt Pluto hinter der Theke.

«Jemand stiehlt den Mond, und ich komme nicht dahinter», antwortet Kommissar Jupiter.

«Ganz cool Bruder, frag mal die Sonne. Die hat in letzter Zeit immer so auffällige Posts auf Instagram.»

«Danke», sagt der Kommissar, legt ein paar Sterntaler auf die Theke und startet sein Jetmobil.

Die Sonne räkelt sich bei 6000 Grad auf ihrem Liegestuhl und rückt ihre Ray Ban zurecht, als der Kommissar auftaucht.«Hast du etwas mit dem Verschwinden des Mondes zu tun?», fragt Jupiter.«Logisch», entgegnet die Sonne. «Der Mond wurde so überheblich mit seinem romantischen Getue. Theater, Gedichte, bla bla bla. Immer nur der Mond. Da musste ich ihm eine Lektion erteilen. Ohne mich ist er nämlich gar nichts. Kein bisschen Mondschein, nix Schein, der Schein bin ich.» «Aber hast du ihn geklaut?», fragt Jupiter.«Ach was», entgegnet die Sonne, «der ist noch genauso rund, wie er war. Man sieht ihn nur nicht, wenn ich ihn nicht beleuchte.»«Dann ist das gar kein Verbrechen?», wundert sich der Kommissar.«Natürlich nicht», entgegnet die Sonne. «Aber ab sofort entscheide ich, wann wie viel vom Mond zu sehen ist, damit er nicht wieder glaubt, er sei der Super-Hero.»«Dann lässt du ihn jetzt wieder erscheinen?»«Klaro, aber nicht alles auf einmal, schön Stück für Stück.»

An diesem Abend legt sich Kommissar Jupiter erschöpft ins Bett und verfällt sogleich in einen tiefen, unruhigen Schlaf. In seinem Traum klingelt das Telefon: «Kommissar Jupiter, kommen Sie schnell. Jemand hat die Ringe des Saturns geklaut!»

Redewendungen

 

Seit Stunden zerbreche ich mir den Kopf,

ich muss mir irgendetwas aus den Fingern saugen,

einen Text aus dem Ärmel schütteln.

Es müsste aber etwas sein, das Hand und Fuss hat,

das liegt mir ja so auf dem Magen,

denn es ist Anton am Letzten,

die Ausstellung ist schon in den Startlöchern

und ich stehe da wie der Esel am Berg.

Ich habe zwar eine lockere Zunge und bin auch nicht auf den Mund gefallen,

aber jetzt hab ich irgendwie ein Brett vor dem Kopf.

Ich kann meinen Beitrag wirklich nicht auf die leichte Schulter nehmen,

darum sitze ich wie auf glühenden Kohlen.

Das Ganze ist mir ein Dorn im Auge,

aber ich muss den Stier bei den Hörnern packen.

Heute hab ich wirklich eine lange Leitung,

es wirkt alles etwas an den Haaren herbeigezogen

ich will aber auch mal die 5 gerade sein lassen.

Jetzt können mir alle den Buckel runterrutschen.

Dieser Text ist nicht gerade das Gelbe vom Ei,

aber es wird mir wohl keine Zacke aus der Krone brechen.

Ich werfe jetzt die Flinte ins Korn,

und nehme auch gleich den Hut,

um mich aus dem Staub zu machen.

Fr. 950.00

40 x 40 cm

je Fr. 320.00

zusammen Fr, 580.00

Kill Royal

 

Sie fällt ihm sofort auf, als sie die noble Bar betritt. Sie ist noch jung, Anfang dreissig vielleicht, in einem eleganten Kleid, das sie bestimmt nicht in einem der bescheidenen Kleidergeschäfte im Dorf gekauft hat. Zwar hat das kürzlich eröffnete 5 Sterne Hotel dem Bergdorf etwas von dem längst verblichenen Glanz zurückgebracht, von damals, als es noch ein Kurort war, wo es noch grosse und für damalige Zeit luxuriöse Hotels gab, wo sich der Adel Europas seine Erholung in der gesunden Bergluft gönnte, die Damen in langen Röcken durch den Kurpark schritten und die Herren Ski fuhren und Zigarren rauchten. Ein ganz klein wenig von diesem Glanz ist mit dem Hotel zurückgekehrt. Das Dorf jedoch hat sich nicht verändert, die Geschäfte sind noch schlicht und sportlich orientiert.

Aus diesem Grund war er auch nach Zürich gefahren, um sich seinen einzigen teuren Anzug zu leisten. Damit geht er nun jeweils am Freitagabend in die Bar des Hotels, gönnt sich ein Glas Wein und lässt die Atmosphäre der grossen Welt auf sich wirken. Das ist seine Belohnung für eine aufreibende und körperlich anstrengende Arbeitswoche.

Die schöne Frau hatte er bereits vor einer Woche hier gesehen, zusammen mit einem älteren Herrn, ihrem Vater vielleicht, oder Grossvater sogar? Ihm war aufgefallen, dass sich das Personal überaus um den Herrn bemüht hat, ihn mit Lord angesprochen und umsorgt hat wie einen König. Die junge Dame an seiner Seite hat einen Kir Royal bestellt, während er nur Tee trank.

Heute jedoch setzt sich die Dame an die Bartheke, direkt neben ihn. Sie ist allein, der Lord ist nicht zu sehen. Sie bestellt einen Kir Royal und mit einem charmanten

 

Lächeln toastet sie ihm zu. Er ist verwirrt, glaubt im ersten Moment nicht, dass er gemeint ist. Doch als er merkt, dass niemand mehr hinter ihm sitzt, lächelt er verlegen zurück und hebt sein Glas. Sie nimmt ihr silbern glänzendes Täschchen von der Schulter und hängt es über die Stuhllehne. Einen Moment lang überlegt er sich, ob dieses Täschchen wohl mehr gekostet hat, als er in einem Monat verdient. Wie auch immer. Er hat zwar wenig Geld, jedoch andere Qualitäten. Er sieht nicht schlecht aus, durch die tägliche Arbeit an der frischen Luft ist sein Teint gebräunt, was ihm zusammen mit den grauen Schläfen eine unwiderstehliche Ausstrahlung verleiht. Dies scheint auf jeden Fall die schöne Lady zu empfinden, denn sie flirtet ganz offensichtlich mit ihm.

Sie spricht gebrochen Deutsch, doch die Unterhaltung wird mit jedem Glas angeregter. Selbstverständlich lädt er sie ein, obwohl der Preis für einen Kir Royal sein Budget bei weitem übersteigt. Als sie den dritten bestellt, wird er nervös und rechnet im Kopf seine Ausgaben der nächsten Wochen durch. Doch dann kramt sie in ihrem Täschchen herum und zieht einen Zimmerschlüssel hervor. Feierabend, denkt er erleichtert und gleichzeitig bedauernd. 

Mit einem Blick, der keine Zweifel offenlässt, schiebt sie ihm den Schlüssel über die Theke hin zu und verlässt wortlos die Bar. Er ist perplex. Er wartet einen Moment, bevor er die Rechnung bezahlt, den Schlüssel an sich nimmt und aufsteht. Da bemerkt er, dass sie ihr Täschchen an der Stuhllehne vergessen hat. Er nimmt es an sich und geht zum Aufzug.

Mit klopfendem Herzen steckt er den Schlüssel ins Schloss vom Zimmer 410. Vorsichtig öffnet er die Tür.

Das Zimmer ist fast dunkel, der Schein von einigen Kerzen verleiht dem Raum ein romantisches Licht. Am

 

Ende des Raumes glaubt er ein Bett auszumachen. Er tappt durch das Dämmerlicht, nervös und erwartungsvoll

zugleich. Was für ein Abenteuer!

Plötzlich stolpert er über ein Hindernis am Boden. Er tastet mit der Hand danach und erfasst etwas Weiches.

«Hallo», flüstert er in die Dunkelheit, bekommt jedoch keine Antwort. Der Raum scheint leer. Er tastet nach seinem Handy und schaltet die Lampe an - und erstarrt. Vor seinen Füssen liegt ein Mensch, - ein Mann, - der Lord!

Mit einem Schrei des Entsetzens zieht er seine Hand zurück, sie ist voller Blut. Panisch stolpert er zurück in den Korridor, die Treppe hinunter und in die Rezeption.

Da steht sie, die schöne Frau, in Tränen aufgelöst, umringt vom Personal des Hotels und von der Polizei.

«Da ist er!», schreit sie hysterisch und zeigt mit dem Finger auf ihn, «er hat meine Tasche gestohlen!»

Verwirrt erkennt er, dass er immer noch ihre Tasche in der Hand hält.

«Mein Gott, er hat Blut an den Händen. In der Tasche war mein Zimmerschlüssel. Mein Mann ist im Zimmer! Was hat er mit meinem Mann gemacht?», kreischt die Frau und macht Anstalten, zur Treppe zu rennen.

Die Polizeibeamten halten sie zurück.

«Das ist ein Missverständnis», stottert er. Ein Polizist hält ihn mit eisernem Griff fest und schaut ihn verächtlich an.

«Ich werde nach ihrem Mann sehen», beschwichtigt ein anderer Polizist und geht zum Fahrstuhl. Nach einer Weile kehrt er zurück, sein Kopf ist gesenkt. Er spricht mit der Frau, welche sogleich in ein hysterisches Geschrei ausbricht.

«Mörder!»

Während die Polizei ihn abführt, treffen sich ihre Blicke noch einmal und er könnte schwören, dass sie ein triumphierendes Lächeln auf den Lippen hat.

Der innere Schweinehund

 

Auf dem Hof der Bäuerin Elsa lebten einst ein Hund und ein Schwein. Sie waren gute Freunde und spielten den ganzen Tag draussen auf dem Feld. Eines Tages sagte Elsa zu ihnen: «Heute gehe ich auf den Tiermarkt und kaufe euch beiden eine Frau. Es wird Zeit, dass ihr Familien gründet.»

 

Noch am selben Nachmittag fuhr Elsa auf ihrem Traktor ins Dorf und als sie zurückkam thronten auf der Ladefläche eine Hündin und eine Sau. Bei dem Anblick bekam der Rüde weiche Knie und in seinen Augen funkelten tausend Herzen. Doch leider ging der Plan der Bäuerin ein ganz klein wenig schief, denn der Rüde verliebte sich unsterblich in die zartrosa schimmernde Borstenhaut der Sau.

Dies verwirrte sogar Amor, der sich verlegen am Kopf kratzte. Diesen Pfeil hatte er wohl verschossen. Doch da er ein Mann der Tat und der kreativen Lösungen war hatte er einen Plan B. Als nun die Hündin von der Ladefläche sprang und vor dem Eber stand, schoss er seinen zweiten Pfeil.

Zwar hatte sich die Bäuerin die Sache etwas anders vorgestellt, doch sie sagte schliesslich: «Soll mir recht sein, Hauptsache ihr gründet Familien.»

Dies liessen sich die Tiere nicht zweimal sagen, und übers Jahr tummelten sich ein Dutzend kleiner Schweinehunde auf dem Hof herum.

 

Wann immer die Bäuerin in den Hof kam, sah sie, dass ein kleiner Schweinehund stets abseits am Zaun stand.

«Möchtest du nicht mit deinen Geschwistern spielen?», fragte sie besorgt.

Der kleine Schweinehund schüttelte nur betrübt den Kopf.

«Da wird man so schmutzig.»

Die junge Schar der Schweinehunde wälzte sich im Dreck, rannte über die Felder und vergnügte sich im Garten.

«Komm, spiel mit uns!», riefen sie.

Doch der kleine Schweinehund sagte nur: «Ach nein, das ist mir zu anstrengend.»

Schliesslich erkannte die Bäuerin, dass es dem kleinen Schweinehund draussen auf dem Hof nicht gefiel und sie nahm ihn mit in ihre Stube.

«Vielleicht bist du ein innerer Schweinehund?», mutmasste sie. «Vielleicht gehörst du nicht nach draussen?»

 

Glücklich lümmelte er sich auf die Couch und liess sich von nichts und niemandem mehr dazu bringen, nach draussen zu gehen.

«Ich bin ein innerer Schweinehund», verkündete er stolz und fühlte sich als etwas ganz Besonderes.

Von diesem Tag an war er glücklich und zufrieden. Und wenn er nicht gestorben ist, dann lümmelt er noch heute auf der Couch herum.

Spiel Schweinehund.jpg

Kursprogramm

 

Ich habe mir die Aufgabe gestellt, aus einem x-beliebigen Heft einen Satz auszuwählen und daraus eine Geschichte zu schreiben. Das erste Schriftstück, das mir in die Hände gekommen ist war das Kursprogramm für die Lehrerweiterbildung. Daraus habe ich folgenden Satz gewählt:

«Ein sorgfältiges Durchblättern des Kursprogramms und ein genaues Durchlesen der Kursinhalte lohnt sich auf jeden Fall…….»

 

…….sonst geht es einem wie dem alten Jakob, einem passionierten Pfeifenraucher, der sich für den Kurs «Pfeifen selber herstellen» angemeldet hat.

« Gute Sache», brummt er in seinen Bart, während seine Alte neben ihm am Tisch Kartoffeln schält. «Hm», brummt sie zurück, was bereits eine ausgiebige Konversation der beiden ist und somit das Kommunikationsbedürfnis beider Parteien für den heutigen Tag ausgeschöpft wäre. Aber Jakob kommt in Fahrt: «Ich baue mir eine Pfeife, genau so, wie ich sie will. Gute Sache.» «Hm», erwidert die Alte zustimmend und schweigt konzentriert ihre Kartoffeln an. Für den Kartoffelstock nimmt sie immer die alten schrumpeligen Kartoffeln. Die sind noch lange gut genug.

Jakob kramt den Bleistift hinter seinem rechten Ohr hervor und macht sich mit seiner krakeligen Schrift daran, den Anmeldetalon auszufüllen. «Haben wir Briefmarken?» Die Alte hebt den Blick unter den dicken Augenbrauen und macht mit dem Kinn eine Bewegung Richtung Stubenbuffet.

1. Mai, 9.00 Uhr im Kirchgemeindesaal, notiert sich Jakob noch an den Rand der Tageszeitung, bevor er mit dem Anmeldetalon in der Hand Richtung Briefkasten an der Strassenecke schlurft.

Drei Tage später findet Jakob eine Kursbestätigung in seinem Briefkasten. «Verdammt klein geschrieben», knurrt er und holt die Lupe aus dem Buffet. «Bitte bringen Sie eine Schürze und Handschuhe mit», steht da geschrieben. Wozu wohl?

Pünktlich um 8.45 Uhr am 1. Mai steht Jakob vor dem Kirchgemeindehaus. In seiner Tasche hat er  seine Überhose und die Arbeitshandschuhe. Vor der Tür zum Kirchgemeindesaal haben sich bereits ein paar Leute versammelt. Da steht s` Vroni vom Hubelhof, s` Mattcher Käthy, s` Hansheinis Marie und s` Lisi von der oberen Fluh. Jakob staunt nicht schlecht, er wusste nicht, dass die Frauen Pfeife rauchen. Oder ob sie für ihre Männer ein Geschenk machen wollen?

Weitere Frauen gesellen sich zu der Gruppe und Jakob hält sorgenvoll Ausschau nach den männlichen Kursteilnehmern. Aber so sehr er sich auch den Hals reckt, er bleibt der Einzige. «Ich finde es ganz toll von dir Jakob, dass du am Kurs teilnimmst», plappert Vroni auf ihn ein, «findet ihr nicht auch? Seine Leni wird sich doch so freuen, wenn er ihr so etwas Schönes heimbringt.» Die Frauen nicken zustimmend und widmen sich weiter ihren Gesprächen über Wechseljahrbeschwerden, Waschküchenstreitigkeiten und Krampfadernsalben.

Punkt 9.00 Uhr öffnet sich die Tür zum Kirchgemeindesaal und die Frauen strömen hinein. Jakob geht ganz am Schluss. Im Saal eröffnet die Kursleiterin Hanna Zurfluh den heutigen Kurstag. Ganz besonders begrüsst sie den einzigen Mann in der Runde, Jakob.

Während die Frauen den Instruktionen von Hanna Zurfluh folgen und sich mit Wasser, Lauge und Rosenblättern auseinandersetzen, wird es unserem Jakob immer mulmiger. «Tschuldigung», sagt er zu seiner Nachbarin Hedi, «hast du das Kursprogramm dabei? Darf ich mal sehen?»

«Seifen selber herstellen» steht hier schwarz auf weiss. Das kann Jakob sogar ohne Lupe erkennen. Verdammt, warum hat er nicht auf seine Alte gehört und sich früher schon eine Lesebrille gekauft?

Mit dem Vorwand von Kopfschmerzen zieht er sich aus dem Kirchgemeindesaal zurück und versteckt sich im Restaurant Löwen. Ein oder zwei Bier haben ihm noch immer über alle Probleme hinweggeholfen. Wie soll Jakob nur seiner Alten erklären, dass sein Kurs ein Reinfall war, ohne sich zu blamieren? Am Nebentisch sitzt Anton und zieht genüsslich an seiner Tabakpfeife. Nach dem dritten Bier hat Jakob eine Idee. Er geht zu Anton: «Anton, ich will deine Pfeife.» «Nö, kriegst sie nicht.» «Aber ich bezahl dafür.» «Wieviel?» «100 Franken.» «Okay- Fräulein, noch ein Bier!»

Spät in der Nacht, nachdem Jakob und Anton noch sehr lange über den Deal diskutier haben, macht sich ein schwankender Jakob auf den Weg nach Hause.

«War ein langer Kurs», murrt seine Alte und dreht sich auf die andere Seite im Bett.  «Ja, aber es hat sich gelohnt. Ich zeig dir morgen die Pfeife, die ich gemacht habe.»

«Gut», murrt die Alte, «Vroni vom Hubelhof kommt zum Frühstück, kannst`s ihr auch gleich zeigen.»

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